Bei dieser günstigen Gelegenheit unterzog sie das Eigentum ihres Papas einer gründlichen Musterung, und sie machte dabei allerhand überraschende Entdeckungen. Nicht nur stieß sie zu ihrer Wut in einer Westentasche auf zwei Kinobillets, die für den gleichen Tag gültig waren und auf zwei nebeneinander gelegene Plätze lauteten, sondern sie fand auch die kleine Bibliothek, die sich der verschwenderische »alte Esel« zugelegt hatte.
Um ihn nicht in falschen Verdacht zu bringen, sei festgestellt, daß diese Bücherei nur aus drei Werken bestand, nämlich: »Der bayrische Hiasl«, »Das Geschlechtsleben des Menschen« und »Was muß der Jüngling vor der Ehe wissen?«
Und noch etwas anderes fand sie: einen Mahnbrief der Firma, die ihm das Holz für seine Drechslerarbeiten lieferte. Wann sie endlich ihr Geld bekommen werde, frug sie an und drohte in unerquicklichen Wendungen mit einer Klage.
Im ersten Augenblick dachte Katharina, die niemals sprachlose, daran, ihrem Vater eine Szene zu machen, eine jener Szenen, die sich bei ihr zu einem fünfaktigen Monolog auszuwachsen pflegten und beim geringsten Widerspruch sogar zu einer Trilogie anschwollen.
Aber sie befürchtete eine Trübung ihres Brautstandes, denn die weibliche Zungenfertigkeit ist etwas, was der Jüngling #nicht# vor der Ehe zu wissen braucht.
Sie begnügte sich daher damit, in großen Bleistiftzügen unter den Brief zu schreiben: »Gelesen. Katharina.«
Dann legte sie ihn wieder in die Schublade, in der sie ihn gefunden hatte. Das genügte. Nun würde der Vater schon merken, daß sie eine neue Waffe gegen ihn besaß, und sein Verhalten danach einrichten.
Hierin täuschte sie sich allerdings. Der alte Sünder empfand keineswegs das Bedürfnis, den Mahnbrief wiederholt zu lesen, und ließ ihn ruhig in der Schublade schlummern, bis ihn die Mäuse fraßen.
So war es gekommen, daß Vater Bindegerst sein eigener Zimmerherr wurde.
Er hatte damals, als er Adolf die Dachhöhle anpries, viel Gutes von der
Behausung da droben zu erzählen gewußt und sie »e schee Zimmerche«
genannt, — nun, da er selbst darin wohnen mußte, fand er, daß sie ein
Saustall ersten Ranges sei.
Ihm mangelte die edle Selbstbescheidung seines Schwiegersohnes, er verspürte nicht die geringste Lust, seinen Kopf zum Dachfenster hinauszustrecken und an den Anblick der kleinen Menschlein da unten philosophierende, lächelnde Betrachtungen zu knüpfen. Er benutzte das Fenster lediglich dazu, manchmal höchst unbekümmert hinauszuspucken. Für den Mondschein hatte er gar nichts übrig, und den musikalischen Katzen konnte ein so hervorragender Sänger wie er, schon aus künstlerischem Grundsatz nicht wohlgesinnt sein.