Sie hatten zwei gute Plätze im ersten Rang, inmitten vornehmer Leute. Bindegerst fühlte sich infolgedessen als Aristokrat, dem kleinen Adolf aber war in dieser noblen Umgebung nicht sonderlich wohl. Er hätte lieber auf der Galerie gesessen, unter seinesgleichen.
»Ich komm merr vor, wie e Köchin, die ihrer Gnädige ihr Schleppekleid aagezoge hat. Da schwebt se drin erum unn dänzelt wie e Wackelpudding, awwer wann se de Schnawwel uffmecht, schmeckt's wie Kardoffelschale.«
Doch bald ließ ihn das Stück das Publikum vergessen.
Das Käthchen auf der Bühne war ein schlimmes Frauenzimmer, das sah er gleich. Aber ihr Vater war wenigstens so ehrlich, es den Freiern im voraus zu sagen. Der pries seine böse Tochter nicht als Quetschenkuchenvirtuosin an, wie Bindegerst. Er warnte Heiratslustige. Und dennoch hielt Petruchio um ihre Hand an.
Herrgott, gibt's mutige Menschen!
Eines freute Adolf: es wuchsen also auch in den vornehmen, reichen
Kreisen weibliche Teufel! Nicht nur unter den Proletariern. Das
Schicksal ist doch nicht so ungerecht, wie man ihm nachsagt. Die höhere
Töchterbildung tut's also doch nicht!
Er schmunzelte.
Bindegerst stieß ihn wiederholt mit dem Ellbogen an. Jedes Mal, wenn die Bühnen-Katharina eine bösartige Antwort gab, oder von ihrer Störrigkeit die Rede war, versetzte er dem Schwiegersohn einen Rippenstoß und flüsterte: »Wie dahaam!«
Am lieblichsten zeigte sich Katharina im zweiten Akt. Gleich in der ersten Szene prügelte sie, ohne Ursache, ihre sanfte Schwester Bianka.
»Wie dahaam!« zischelte Bindegerst und schlug sich vor Freude aufs Knie.