Kopfschüttelnd sah Bindegerst ihm nach. »Jetz wer' ich bald e Gummizell reserwiern lasse misse!« dachte er. »Hastde schonn so ebbes erlebt! Ich glaab, der schreit noch Hurrah, wann's #Drilling# wern!«

Adolf Borges sprang die Treppe hinunter, mit jedem Sprung drei Stufen, mit den Händen gestikulierend und immer wieder jauchzend: »In annerne Zuständ! In annerne Zuständ!«

Als er aber vor der Schlafzimmertüre stand und gerade die Klinke herunterdrücken wollte, da fiel ihm ein, daß sein Käthchen jetzt nicht in der Laune war, Begeisterungsausbrüche in Empfang zu nehmen, er wandte sich zum Kleiderständer, nahm Hut und Mantel und lief davon.

Der Mann im Mond konnte ihn nun nicht mehr beobachten, denn die Erde hatte den dichten Schleier eines Schneegestöbers vor ihr Antlitz gezogen. Die dicken Flocken flatterten Adolf ins Gesicht, schmolzen auf Nase und Wangen, besäten seinen Mantel mit Sternchen, als wollte der Himmel den kleinen Mann mit unzähligen weißen Orden auszeichnen für das Verdienst der Vaterschaft.

Wie alle Leute, die nicht wissen, wohin sie eigentlich wollen, hatte
Adolf es sehr eilig. Er stürmte durch die Straßen, als gelte es, eine
Wette zu gewinnen, bis er sich auf der Landstraße nach Frankfurt fand.
Da mäßigte er das Tempo und ergab sich, langsameren Schrittes, seinen
stillen Betrachtungen.

»Wie schee is doch die Nadur eigericht': merr denkt an nix beeses, unn uff aamal is e Kind da! Grad als ob's von selwer komme dhät, so wie die Blumme unn die Bäum! Es gibbt Leut, die lasse sich die deuerste Beete in ihr Gärte eneiplanze unn lasse de Gärtner dadraa erumkorkse, Gott waaß wie lang! Awwer se könne sich uff de Kopp stelle: so e schee Zusammestellung, wie se drauße uff de Wiese ganz von selwer werd, bringe se net eraus. Unn wie mit de Blumme, werd's aach mit de Kinner sei'. Die so unverhofft komme, ohne daß merr sich vorher die Bää drum ausreißt, des wern die beste! — Naa, ich mach merr gar kaa Gedanke drum, ob's blond odder schwarz werd, ob's helle oder dunkle Aage hat, ob's e Bub is odder e Mädche. Der Storch is doch kaa Gemiesfraa, daß merr mit'm #hannelt#! Awwer blond wär merr schonn am liebste, unn wisse dhät ich halt gern, ob's helle Aage hat, — ach so, ich wollt merr ja kaa Gedanke driwwer mache!«

Er lächelte in sich hinein und blieb unwillkürlich stehen. Er hörte das feine, silberige Geräusch der fallenden Flocken und dachte: »Der liewe Gott streichelt die Erd'. Unn er hat waaße Glacehandschuh derrzu aagezoge. Unn er fährt mit der Hand iwwer die Schneedeck, wie e Mudder iwwer des Wiegedeckche von ihrem Kindche, unn summt »Schlaf, Erdche, schlaf! …«

Wieder lächelte er.

»Ich möcht nor wisse, was ich heut habb, daß ich heut immer an #Kinner# denk! — Ach so, ich soll ja selwer aans kriehe! Ich krieh ja Kinner!«

Und er rief gegen den Sachsenhäuser Berg: »Heerstde's, ahler Berg, ich krieh Kinner! Ei, Du Spinat unn gehle Riewe unn Quetschebäum unn was sonst da drowwe wachse dhut: Kinner kriehe merr! So dhut doch lache, Ihr verrickte Planze, schlagt doch Borzelbäum: Kinner gibbt's!«