Und sie ging in die Küche und schien sehr zornig zu sein.

Im ersten Augenblick war Adolf verblüfft. Dann sagte er sich: »Es kimmt von ihr'm Zustand. Ich wär wahrscheinlich aach net annerschter, wann ich so weit wär!«

Und dies mußte er sich fortan oft sagen. Denn Katharina ward immer unleidlicher und reizbarer. Kein Tag verging ohne Lärmszene. Aber Adolf beklagte sich nicht mehr bei seinem Schwiegervater, er ertrug die geistigen und körperlichen Mißhandlungen mit noch geduldigerer Sanftmut als je. Jede Launenhaftigkeit Katharinas war ihm nur ein neuer Beweis des Glückes, das er zu erwarten hatte. Denn jetzt wußte er den Zustand seiner Frau und dessen Begleiterscheinungen sachverständiger zu beurteilen: hatte ihm doch Bindegerst aus seiner dreibändigen Bücherei »Das Geschlechtsleben des Menschen« zu lesen gegeben.

Daraus erfuhr Adolf mancherlei, was ihm bisher unbekannt gewesen. Die wichtigsten Stellen fielen ihm leicht ins Auge, denn die hatte Bindegerst mit Bleistift angestrichen. Und auch einige Randbemerkungen von Bindegersts Hand fanden sich in dem Buch, die bewiesen, daß der Alte in Bezug auf das Geschlechtsleben des Menschen höchst menschlich dachte.

Bindegerst ließ für einige Zeit das Schnitzen von Affenköpfen sein, er zimmerte ein Kinderbettchen. Den Ausmaßen nach schien es für ein Riesenkind bestimmt zu sein.

Es wurde Adolfs Lieblingsbeschäftigung, dem Schwiegervater beim Bau dieser kleinen Arche Noah zuzuschauen, und schon sah er im Geiste seinen Stammhalter in dem Bretterkasten zappeln. Er gewöhnte sich an, schon jetzt den alten Bindegerst mit »Großvadder« anzureden, und dieser zeigte sich seinerseits durch die Anrede »Herr Babba« erkenntlich.

»Großvadder, maanstde net, merr könnt bei dem Bettche noch so vier
Engelsköppcher an die Ecke mache?«

»Unn vielleicht aach noch e Oferohr in die Mitt, Herr Babba?« spöttelte der Meister. Ihn belustigten Adolfs ewige Anregungen zu Verschönerungen des Bettes, und er gefiel sich deshalb darin, ihm die unmöglichsten Verzierungen vorzuschlagen.

»Ich maan als, Herr Babba, merr sollt an dem Bettche en Kleiderhake mit eme Zylinnerhut aabringe! Daß der Bub aach grieße kann, wann der Dokter zum Impfe kimmt!«

»Maanstde net, Herr Babba, merr sollt en Aschebecher draamache? Odder werd's e Nichtraacher?«