Das Schneeball-Orakel hatte richtig prophezeit: Gustav wuchs heran zu einem blonden Büblein, seine blauen Augen wurden denen des Vaters immer ähnlicher. Er lernte laufen und drollig plappern. Einer der ersten Sätze seines Sprachschatzes war die selbstgebildete Beschwerde: »Mama bees!«

Nur allzu deutlich zeigte es sich, daß das Kind seine Mutter fürchtete; es beobachtete beim Spielen jede Bewegung Katharinas, als erwarte es jeden Augenblick Schelte oder Schläge.

Für Adolf Borges wurde das Kind eine Art Fetisch. Er trieb eine abgöttische Verehrung mit ihm, einen Gottesdienst, dessen Zeremoniell in der Hauptsache darin bestand, auf allen Vieren vor ihm herumzurutschen und dabei zu krähen, zu bellen, zu miauen.

»Mach nor Dei Hose kabutt!« geiferte Katharina. »Mach se nor hie! Merr könne's uns ja leiste! Merr hawwe's ja!«

Bei seinen Geschäftsgängen machte Adolf, wenn es irgend möglich war, einen kleinen Umweg, um schnell einen Augenblick in die Wohnung hinaufspringen und sein Kind sehen zu können. Das trug ihm dann zwei Rüffel ein, einen von Katharina und einen von Herrn Feldmann, — aber was lag daran?

Er gewöhnte sich allerlei Fertigkeiten an, dem Kleinen damit eine Freude zu bereiten: er lernte aus Zeitungspapier Schiffe und Helme bauen, aus Lappen, die er sich im Geschäft von den Flickmamsells schenken ließ, mit der Schere Tiere und Menschen schnitzeln, aus Holzstückchen Bausteine zimmern.

Mit gespannten Augen und glühenden Bäckchen sah Gustav ihm zu, neugierig, was es werde, und lispelte, mit der Zunge leise anstoßend: »Was machß'n Du da?«

Und dieses »Was machß'n Du da??« beseligte Adolf stets von neuem. Dieses freudige, dankbare, wißbegierige »Was machß'n Du da??« lag ihm Tag und Nacht wie eine süße Melodie in den Ohren, ward ihm zum geflügelten Wort.

»Was machß'n Du da??« lispelte er Bindegerst zu, wenn dieser seine
Schnapsflasche an den Mund setzte. Und dann lachten sie Beide Tränen.

»Was machß'n Du da??« sagte er, wenn der Gasmann kam und den Gasometer ablas.