Ergriffen, gerührt von dieser Selbstanklage schüttelte der überraschte
Adolf wehmütig den Kopf und lächelte versöhnlich: »Laß gut sei',
Großvadder! 's is net mehr zu ännern!«

»Awwer leid dhut merrsch! No, vielleicht kimmt doch emal e Gelegeheit, wo ich mich erkenntlich zeige kann! Vielleicht!«

»Redde merr net driwwer, Großvadder! Ich war Derr nie bees deswege!
Werklich net!« schnitt Adolf das Gespräch ab.

Aber es war ihm so vorgekommen, als verschwiege ihm sein Schwiegervater irgend etwas, als sei die Selbstanklage eigentlich die Einleitung zu einer Selbstentschuldigung wegen irgend eines ganz anderen, ihm noch unbekannten Unrechts gewesen.

Und er war auf dem Heimweg sehr nachdenklich und köpfte zerstreut Blumen und Pilze, so daß ihn Gustav wiederholt fragen mußte: »Babba, — was machß'n Du da??«

* * * * *

Die nächsten Jahre in Adolfs Leben leierten sich ab wie ein
Drehorgellied.

Die Jahreszeiten führten die ewigen Kämpfe miteinander auf, alljährlich feierte der Frühling seine Auferstehung, um von neuem gekreuzigt zu werden.

Die alte Tante Klio, die ja auch mit der Zeit moderner geworden ist, tippte gleichmütig auf ihrer Schreibmaschine Weltgeschichte. Und wie alle Schreibmaschinendamen tippte auch sie gelegentlich daneben, und daraus entstand mancherlei Unangenehmes für die Menschheit. So hatte sie bei der Eintragung von Adolfs Eheschließung den Namen Katharina mit lauter großen Buchstaben, den Namen Adolf aber mit kleinem Anfangsbuchstaben getippt, und daher stammte das ganze Unglück der Borgesschen Ehe.

Gustav war sechs Jahre alt, in einigen Wochen sollte er in die
Volksschule kommen.