Aber was der Hausarzt trotz eindringlicher Ermahnung und gesalzenster Rechnungen nicht erreicht hatte, das vollbrachte Bim, der Dackel, ohne ein Wort zu reden, ohne mit seinem Mopsschwanzerl zu wackeln. Denn in der Münchner Trambahn ist das Mitnehmen von Hunden verboten, und so mußte Herrle Bröselmeier die Riesenstrecken Schwabing—Franziskaner, Franziskaner—Bürgerbräu, Bürgerbräu—Augustiner, Augustiner—Schwabing keuchend zu Fuß zurücklegen.
Ja, er mußte jeden Weg mindestens dreimal wandeln, denn Bim hatte die selbstherrliche Gewohnheit, im Zickzack zu traben. Bald interessierte ihn weit vorne irgendeine Hundesensation, und er sauste plötzlich davon, daß sein Herr unter Atembeschwerden und völlig zwecklosen »Bim, da gehst her!«-Rufen ihm nachstürzen mußte — bald fiel es Herrn Bim plötzlich ein, daß er eine Straßenecke zu beschnuppern vergessen hatte und er machte kehrt, lief dreißig Meter zurück, beschnüffelte das Eckhaus einmal, zweimal, um dann — nun ja, a Viech is halt a Viech!
Manchmal auch überkam ihn die Philosophitis, er setzte sich mitten auf die Straße, versank in Nachdenken und war durch keinerlei Zureden zum Weitergehen zu bewegen.
Natürlich hätte Herr Bröselmeier in solchen Fällen von seinem Spazierstock mit dem Hirschgeweihgriff, der wie beinahe echt aussah, Gebrauch machen können, aber nein: »An am wehrlosen Tier wer' i mi vergreif'n, — i bin do' ka Ruß!«
So lebten Bim als Gebieter und Herr Bröselmeier als folgsamer Untergebener friedlich zusammen — bis der Weltkrieg auch diese Harmonie zweier schöner Seelen jäh zu zerstören drohte.
Der Krieg. Anfangs fand ihn Pepi Bröselmeier ganz schön. Er hielt es für ganz in der Ordnung, daß sich andere Leute totschießen ließen, damit er ruhig seinen Frühschoppen weiter trinken konnte. Er schaffte sogar für sein Haus eine Fahne an und überließ es der Hausmeisterin, sie nach Gutdünken herauszuhängen oder einzuziehen. Aber bald kamen die Beschwerden.
Mit einem Herrn im Zylinder fing es an. Der kam eines Morgens um acht Uhr, wenn ein anständiger Bürger noch im Bett liegt, und klingelte. Er müsse den Herrn sprechen.
Bim bellte, wie nur der Hund des Hausherrn bellen darf, und Herr Bröselmeier schlüpfte mißmutig in seinen Schlafrock, machte Toilette, indem er einmal schnell mit der Hand durch die Haare fuhr, schlüpfte in die Pantoffeln — »Jessas, wo hat dös Hundsviech wieda den anderen Pantoffel hi'bracht?!« — und schlürfte in den Salon, wo das nackete Fräulein hing von dem Maler, der wo mit »F« anfängt.
Und was wollte der Zylindermann? Herr Bröselmeier möchte doch in den Wohlfahrtsausschuß seines Bezirkes eintreten, der Herr Weckerlbacher sei auch drin und es sei doch ein guter Zweck und —
Er warf den Mann hinaus. »Geht nöt, geht beim besten Willen nöt! I hab koa Zeit, i bin Privatier!«