Nicht als ob unser Held ein hartes Herz gehabt hätte. Gewiß nicht. Nur keine Arbeit durfte man nicht von ihm verlangen. O, er tat auch was für die Armen! In der Zeitung in der öffentlichen Massenquittung über freiwillige Spenden, stand's deutlich zu lesen:

N. N. 100 Mk., Gott lohne es 250 Mk., Jeder nach seinen Kräften 75 Mk., Joseph Bröselmeier, Realitätenbesitzer 5 Mk., Ungenannt 100 Mk.

Die zweite Unannehmlichkeit, die ihm der Krieg bescherte, war die peinliche Erfahrung, daß mehrere Mieter um Nachlaß baten. Und da zeigte es sich, daß Pepi doch kein Unmensch war: denen, die's nötig hatten, ermäßigte er die Miete großmütig. »Ja, ja, is scho' recht! Wann Ihr Mann aus'm Krieg hoamkommt, nachher gilt aber wieder der alte Mietpreis! Nix z' danken, Frau Huber, nix z' danken!«

Die dritte Unannehmlichkeit war die Wut über den Hindenburg. Jawohl, die Wut über den Hindenburg. Ist das vielleicht ein Benehmen von diesem Mann, eine so höfliche Ansichtskart'n überhaupt nicht zu beantworten? Dem einbeinigen Hausierer im »Augustiner« hatte er die Karte abgekauft, ein Mann war drauf abgemalt, der aus dem Spundloch eines Bierfasses trank und darunter stand »Nur koa Wasser net« — und so eine Postkarte ließ der Hindenburg einfach unbeantwortet!

Pepi Bröselmeier gab der Hausmeisterin den strengen Befehl, bei keinem der Hindenburg-Siege mehr zu flaggen. Das war seine Rache.

Nein, der Kriegszustand war nicht schön. Der Krieg wurde immer länger und die Weißwürscht' immer kürzer. Das einzig Erfreuliche war, daß sie, ganz im Anfang, den Riedingerfranz, den er schon lange nicht leiden konnte, am Stachus elendig zusammengehaut hatten, weil er irrtümlicherweise für einen Spion gehalten worden war.

Das Schlimmste aber — doch nein, das muß ich ausführlich erzählen.

»Du, Pepi, da mußt schon in dein' Beutel langen und ein Büllett kaufen,« hatte einer seiner Stammtischkumpane gesagt und ihm gleich ein Drei-Mark-Büllett hingelangt. »Es ist zum Besten von die Verwundeten! In die "Vier Jahreszeiten"! Mit einem extra-igen Programm! Also ruckst halt raus mit dei'm Taler!«

Was war da zu machen? Der Pepi ruckte den Taler heraus und ging am nächsten Abend in die »Vier Jahreszeiten«.

Alles, was wahr ist, es war ein extra-iges Programm.