Und bald erfuhr er das Ziel der Wanderung: die Isaranlagen, allwo Bim seine erste Unterrichtsstunde im Sanitätswesen erhalten sollte.
Ich muß jetzt leider einen Punkt berühren, dem ich bisher ängstlich aus dem Wege gegangen bin, um nicht in den Ruf eines erotischen Schriftstellers zu kommen: Bims Liebesleben in der Natur. Tja, das ist ein heikler Punkt. Bim verschwendete seine Gunstbezeigungen nicht nur an die Hündinnen der zwanzig Rassen, von denen er abstammte, nein, dieser Wüstling wagte es, jedes Hundefräulein, das seine Bahn kreuzte, kurzweg anzusprechen und ihr in der Hundesprache verführerische Galanterien zuzuflüstern. »Fräulein Bernhardinerin sehen heute wieder entzückend aus!« »Gnädigste Möpsin werden mit jedem Wurf schlanker!« »Fräulein Windhund tragen ein todschickes Halsband! Wohl Familienerbstück?«
Auch angesichts dieser Künste konnte Herr Pepi mit Recht sagen: »Wo er dös nur grad her hat? Also von mir hat a's nöt!«
Sofort beim Eintritt in die Isarauen fiel nun dem Don Juan Bim eine braune Dackelin auf, eine Dackelin ... ich sage nur das eine Wort »preisgekrönt«.
Aber die Dackelin wurde an der Leine geführt, Bim wurde an der Leine geführt — nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was sie litten.
Es war ein heller, sonniger Herbsttag und immer wieder frug Herr Pepi seinen Dackel: »Hörst, wie d' Amseln pfeif'n? Hörst as?« und immer wieder antwortete Bim in Gedanken: »Heut hat's ihn derwischt! Ganz narret is er heut! Hat er vielleicht 'denkt, dö Amseln wern miauen?«
An einer Bank in den Anlagen, dicht am Ufer der seichten Isar, band Herr Bröselmeier seinen Hund fest, hielt ihm die Soldatenmütze unter die Nase und schmeichelte:
»Da, riech, Bim! Schön Witterung nehma muaß's Hunderl! Dö Mütz'n sucha muaß das g'scheite Dackerl! Ja! Gelt, du bist g'scheit?«
Bim warf einen scheelen Blick auf die Mütze. »Vollständig dari-dari is er heut!« dachte er. »Was geht mi dö Mütz'n o'!«
Und während Bim Betrachtungen darüber anstellte, daß jetzt die Weißwürst sicher längst gar geworden seien, schaufelte der Herr Realitätenbesitzer schwitzend eine Grube. Wohl zehnmal hielt er stöhnend in der Arbeit inne, wischte sich den Schweiß von der Stirne und brummte: »Und dös soll g'sund san, hat der Dokta g'sagt! — Aber jetzt wird si's bald weis'n, ob dö Dackeln Sanitäter san oder nöt!«