Bei unserer Einfahrt in den Hafen begrüßten uns die Schiffe mit lautem Jubel. Alle Schiffe hatten sich mit bunten Fahnen behängt, und ich glaubte zuerst, der Kaiser von Frankreich habe Geburtstag.

Später habe ich erfahren, daß es in Frankreich keinen Kaiser gibt, sondern nur einen Präsidenten, der aber auch nichts zu sagen habe, daß vielmehr jedes halbe Jahr ein neues »Ministerium« (ich weiß nicht, was das ist) gebildet wird, um das Gegenteil von dem früheren »Ministerium« zu tun, und daß man dies »Republik« nennt.

Geflaggt aber hatten die Schiffe und die ganze Stadt Marzel, weil eine große, günstige Entscheidungsschlacht stattgefunden hatte: die Russen hatten die Deutschen bei den Masurischen Seen vernichtend geschlagen.

Im Hafen wurden uns unsere Waffen zurückgegeben und wir wurden durch die Stadt in die Kaserne geführt.

Dieser Einzug ist meine schönste Erinnerung an den Krieg. Die Menschen drängten sich auf den Straßen, Freude leuchtete von ihren Gesichtern, sie riefen uns jauchzende Begrüßungen zu, schwenkten Tücher.

Es war das einzige Mal, daß uns Hindus von den Weißen die Ehrfurcht bewiesen wurde, die uns gebührt.

Besonders begeistert begrüßten uns die Frauen. Sie warfen uns Kußhände zu und Blicke, für die jeder Hindu sein Weib totprügeln würde.

Während des Einmarsches geschah ein Wunder: es fielen vom Himmel weiße Papierfetzen, die aber zu Wasser zerschmolzen. Die Europäer nennen sie »Schnee«. Ich hatte so etwas noch nie gesehen und fürchtete mich gewaltig. Allein man beruhigte mich: dieser Schnee fiele jeden Winter, er sei ganz ungefährlich. Man sagte mir auch, man mache daraus Männer — aber das glaube ich nicht. Denn wenn die Weißen aus Schnee Menschen machen könnten, weshalb hätten sie dann uns Hindus und die abscheulichen Neger zu Hilfe holen müssen?

Aus allen Fenstern guckten Männer und Frauen, und aus einem Hause — du kannst dir meine Freude denken — schauten Hindus herab. Es war ein großes Gebäude, und von seinem Dache wehte eine große Fahne mit einem roten Kreuz. Genau, wie sie an dem Hause flattert, in dem ich jetzt liege.

Ich habe am nächsten Tage den Versuch unternommen, mit meinen Brüdern in diesem Hause zu sprechen, ihnen meine Schicksale zu erzählen und sie nach ihren eigenen Erlebnissen zu fragen. Ich fand auch nach vielem Suchen das Haus, aber man ließ mich nicht hinein. Ja, es wurde uns sogar ausdrücklich verboten, mit Verwundeten zu reden.