Heute kann ich mir dieses Verbot nur allzu gut erklären.

Sonst aber hatten wir in Marzel ziemlich viel Freiheit. Wir durften frei auf den Straßen gehen, durften uns alles betrachten. Die Leute von Marzel waren sehr freundlich zu uns, sie stopften uns die Taschen voll Zigaretten, schenkten uns wollene Decken und lachten herzlich, wenn wir uns in unserer, ihnen unverständlichen Sprache bedankten. Daß wir ihre Speisen nicht genossen, wußten sie bereits.

Einmal begegnete mir auf der Straße ein Zug von Menschen, denen eine Fahne vorausgetragen wurde, auf der ein weißes Weib in Waffen abgemalt war. Ich fragte einen Mann auf englisch, wer diese Lady sei? Er antwortete mir in derselben Sprache, aber er sprach lange kein so reines Englisch wie ich.

Und ich erfuhr, diese Lady sei eine Jungfrau aus O-r-l-e-a-n-s (was wieder ganz verrückt ausgesprochen wird) und die Engländer hätten sie verbrannt.

Ich stimme sonst selten mit den Engländern überein, aber da mußte ich ihnen vollkommen recht geben. Ein Weib, das die Vermessenheit hat, einem Manne gleichen zu wollen, gehört getötet. Jeder Hindu wird diese Ansicht teilen. Nur weiß ich nicht, weshalb die Engländer uns die Witwenverbrennungen verbieten, wenn sie selbst früher Weiber verbrannten?

Überhaupt scheinen die früheren Engländer viel vernünftigere Menschen gewesen zu sein als die heutigen.

Ein andermal kam ich an einem Laden vorbei, da waren Tiere ausgestellt. Auch eine große Schlange war dabei, die zusammengekrümmt in einem Glaskasten lag und schlief. Vielleicht träumte sie von ihrer Heimat?

Ich mußte an Malatri, die Brillenschlange, denken und ein Schluchzen zog mir den Hals zu.

O Malatri, hätte ich dich hier gehabt, wie hätte ich dich streicheln und küssen wollen, meine glatte Freundin! Ich hätte dir meine Sehnsucht geklagt nach dem warmen Indien, und du hättest meine Sprache verstanden und mit mir getrauert!

O Malatri, warum bist du allein aus diesem Leben geflohen und hast mich nicht mitgenommen, der ich dein bester Freund war?