»Bestätigt wohl, o Herr, der Erhabene eben zuvor einem gewissen großmächtigen Geiste die Erlösung durch Versiegung des Durstes kurz dargelegt zu haben?«
»Ich bestätige es, Moggallāno. Sakko, der Götter König, kam da zu mir, begrüßte mich ehrerbietig und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend, Moggallāno, sprach nun Sakko, der Götter König, also zu mir: ›Inwiefern ist wohl, o Herr, ein Mönch, kurz gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit, durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet, Höchster der Götter und Menschen?‹ — Hierauf, Moggallāno, erwiderte ich dem Götterkönige Sakko: ›Da hat, König der Götter, ein Mönch gehört: ‚Kein Ding ist der Mühe werth.‘ Wenn der Mönch, König der Götter, dies gehört hat ‚Kein Ding ist der Mühe werth‘, so betrachtet er jedes Ding; und wenn er jedes Ding betrachtet hat, durchschaut er jedes Ding; und wenn er jedes Ding durchschaut hat und nun irgend ein Gefühl empfindet, ein freudiges oder leidiges oder weder freudig noch leidiges, so beobachtet er bei diesen Gefühlen die Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung; und indem er bei diesen Gefühlen die Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung beobachtet, hangt er nirgend in der Welt an; ohne anzuhangen wird er nicht erschüttert, unerschütterlich gelangt er eben bei sich selbst zur Erlöschung: ‚Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, {256} gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‘ versteht er da. Insofern, König der Götter, ist ein Mönch, kurz gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit, durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet, Höchster der Götter und Menschen.‹ Auf solche Weise bestätige ich, Moggallāno, dem Götterkönige Sakko kurzgefasst die Erlösung durch Versiegung des Durstes dargelegt zu haben.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno über das Wort des Erhabenen.
38.
Vierter Theil
Achte Rede
VERSIEGUNG DES DURSTES
– II –
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Zu jener Zeit nun hatte ein Mönch Namens Sāti, der Sohn eines Fischers, folgende verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass nämlich dieses unser Bewusstsein im Kreislauf des Wandelseins beharrt, unveränderlich.‹ Es kam nun vielen Mönchen zu Ohren, dass ein Mönch Namens Sāti, der Sohn eines Fischers, diese verkehrte Meinung gefasst habe. Da begaben sich nun jene Mönche dorthin wo sich Sāti der Mönch, der Fischersohn, aufhielt, und sprachen hierauf also zu ihm:
»Ist es wahr, wie man sagt, Bruder Sāti, du habest diese verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass nämlich dieses unser Bewusstsein im Kreislauf des Wandelseins beharre, unveränderlich‹?«
»So ist es, ihr Brüder, allerdings fasse ich die vom Erhabenen verkündete Lehre dahin auf, dass es dieses unser Bewusstsein ist, welches im Kreislauf des Wandelseins beharrt, unveränderlich.«