Die Worte klangen herb und schneidend, wie das Lachen,
So ihnen folgte, nun die Thür sich schloß;
Doch als sie dann allein, rang mancher Seufzer
Aus Fräulein Adelgundens Brust sich los,
Es wachte lang die Stolze in Gedanken,
Eh’, schlafbezwungen, ihr die Lider sanken. —

Von Elsbeths Augen aber blieb der Schlummer ferne.
Ein schneidend Weh im Herzen hielt sie wach,
Seit, länger nicht mehr Herrin ihres Schmerzes,
Sie müden Schritts betrat das Schlafgemach,
Und dort, ein rührend Bild! von Gram umfangen
Zusammenbrach mit überthränten Wangen. —

Wer Frauenschönheit nicht in Augenblicken schaute,
Wo, leiddurchschüttert, fast das Herz ihr brach,
Der marmorgleichen Züge stummes Wehe
Aus müdgeweinten Augen schmerzvoll sprach,
Und doch verklärt von überird’schem Schimmer:
Gewiß, der sah die höchste Schönheit nimmer.

Vor Kurzem noch in einem Paradiese weilend,
Von Glück umstrahlt in süßer Minnelust,
Die unverhohlen ihr im Busen glühte,
Trug Elsbeth einen Himmel in der Brust,
Der, lichtumflossen, ihre Jugend schmückte,
Mit reicher Seligkeit sie hoch beglückte.

Auf heitern Auen schien es ihr ein wonnig Wandeln
In Blüthenduft und frischer Lenzespracht.
O, schöne Stunden, wo des Menschen Seele
Ein einz’ger Blick noch wunschlos glücklich macht,
Erwachter Liebe unschuldvolles Träumen
Gleich goldnem Morgenroth das Sein umsäumen! —

Und nun war all’ dies aus, in schwarze Nacht versunken,
Vernichtet ihres Herzens schöner Traum,
Vom Sturm geknickt die duft’ge Frühlingsblüthe
So furchtbar jäh — die Arme faßt es kaum.
Sie rang in tiefem Weh die zarten Hände
und schluchzte auf, doch hörten’s nur die Wände. —

Des Herzens erste Liebe gleicht gar oft der Blume,
Die uns am ersten Frühlingstage grüßt,
Ihr früh Erwachen aber — kommt ein Spätfrost —
Dann unversehens mit dem Tode büßt,
Als Opfer der paar warmen Sonnenstrahlen,
So allzufrüh sich ihr in’s Herzlein stahlen. —

In bangem Wachen lehnte Elsbeth schmerzversunken
Am Bett und starrte trostlos vor sich hin,
Indessen durch die grünen Butzenscheiben
Der volle Mond ihr fahl in’s Antlitz schien,
Des Stübleins kalte Fliesen matt beleuchtet,
Die sie mit ihrem Thränennaß befeuchtet. — —

Im Palas waren sie noch lange wach geblieben.
Es saß der Spielmann dort am Eichentisch,
Die Herrn mit Schwänken oder Sang vergnügend,
Dazwischen seine Kehle, allzeit frisch,
Dem Kruge zusprach, wie in jungen Tagen,
Je länger ’s ging, mit desto mehr Behagen.

Herr Kuonrad war’s allein, der nicht recht froh drein schaute,
Zum Lachen zwang sich, wenn der Vogt ihn neckt’
Mit witz’gem Worte oder muntrem Sprüchlein,
In welchem, harmlos zwar, die Mahnung steckt’,
So lang als möglich fröhlich noch zu zechen,
Da Eh’- und Wehstand oft das Krüglein brechen.