Er trank denn freilich auch am tapfersten von allen,
Doch däucht’ ihn schal und wässerig der Wein;
Denn statt, gleich jenen, Frohsinn sich zu trinken,
Ging ihm wie Gift ein jeder Tropfen ein.
Auch schien es ihn nicht fröhlich anzumuthen,
Daß öfters Benno’s Blicke auf ihm ruhten.

So war es ihm gar lieb, als bald der Vogt fürsorglich
An Morgen denkend, nun den Vorschlag that:
„Wir wöllen heut’ uns schon Behüet Gott! sagen,
Daß in der Fruh, beim ersten Hahnenkraht,
Die Herren ungehindert reiten können,
Indeß wir andern uns noch Ruh’ vergönnen!”

Herr Kuonrad stimmte gerne bei und bat nun höflich
Den Dank zu nehmen für die Gastfreundschaft,
Die ihm der Vogt so überreich gewährte,
Daß schier vergessen drob er seiner Haft;
Auch — Elsbeth besten Dank und Gruß zu sagen,
Kam ihm der Muth, dem Freund noch aufzutragen.

Als endlich dann die Herrn genug getafelt hatten,
War es des Bischofs Bote Edlibach,
Von dem ein Stammbuch uns noch jetzt berichtet:
Er habe „ordlich schön verricht sein Sach,
Und ehrlich den Willkummen also trunken,
Daß, statt in’s Bett, daneben er gesunken.”

Achtes Kapitel.

Der Jahre manches war gekommen und gegangen
Seit jenem Morgen, als mit Edlibach
Herr Kuonrad, bis ans Thor von Kunz begleitet,
— Weil es noch frühe, schien sonst Niemand wach, —
Umwoben von kaltfeuchten Nebelmassen,
Mit schwerem Kopf Schloß Küssaberg verlassen. — —

Nach hartem Winter war es endlich Frühling worden
Und wieder grünend prangten Wald und Ried.
In Wald und Fluren sangen Vogelchöre
Den „Willekumm” in nimmermüdem Lied;
Wie Gold begossen lagen Höhn’ und Auen
Im Morgenlichte, herrlich anzuschauen.

Schaffhausens Storchenpaar, seit gestern wieder heimisch
Im wohlgeschützten Nest auf der Abtei,
Verkündete mit schnarrendem Geklapper,
Daß just zu Ostern Frühling worden sei,
Der Lenz mit Festgepräng’ zur Stadt gekommen,
Wenn er auch nicht den Weg durch’s Thor genommen.