Vom Thurm zu Allerheil’gen glänzte, weithinschimmernd,
Auf seinem Knaufe schon der Wetterhahn;
Die goldnen Federn glitzerten und sprühten,
Als hätt’s auch ihm der Frühling angethan.
Tief unten aber in den „Lächen” zogen,
Schier gar im Dämmer noch, des Rheines Wogen.
Ein Weilchen bloß und dann lag auch die Vordergasse
Mitsammt der Oberstadt im Sonnenschein;
Ein breiter Strahl sah auf dem Herrenacker,
Aus Neugier wohl, in schmale Fensterreihn.
Gleich Demant blitzend rauschte in der Sonnen
Kühl sprudelnd Naß aus steingehaunen Bronnen.
Am längsten hielt das Ampelnthürmlein sich im Schatten
Des trotz’gen Unnoth auf dem Emmersberg;
Von hohen Treppengiebeln halb verborgen,
War’s anzuschauen wie ein grauer Zwerg,
Der seit Jahrhunderten am Gerberbache
Verdüstert da stand unter steilem Dache. —
Noch pflogen Burgerschaft und eingesessne „Mauchen”
Des Schlummers, wohlbeschirmt von Thurm und Thor,
Der letztern Schlüssel ruhten, wie gebräuchlich,
Dem ältsten Stadtknecht unterm offnen Ohr,
Als hell vom Münster her die Glocken klangen
Und aus den Federn nun die Schläfer zwangen.
Flink wurden überall die Läden aufgeschoben
Und konnte man gar manches Antlitz schau’n,
Das für das Fest sich Wind und Wetter prüfte.
Es schien, dem letztern wär’ heut wohl zu traun,
Denn frisch und duftig kam am Himmelsbogen
Der Ostermorgen über Land gezogen.
Zufrieden mit der Prüfung, schollen frohe Grüße
Nach links und rechts, mehr oder minder traut,
Wie grad der Nachbar sich zum Nachbarn stellte,
Der nebenan aus seinem Fenster schaut’.
Inzwischen riefen aber, um die Wette,
Die Glocken schon ein zweites Mal zur Mette.
Und nicht umsonst, bald standen Thor und Thüren offen;
In Festgewändern zogen Frau und Mann,
Gesind’ und Kinder feierlichen Schrittes
Dem Münster zu, wenn nicht sie Sankt Johann
Den Vorzug gaben, oder „Mutter Nesen,”
Wie man das Kloster hieß zu Sankt Agnesen;
Doch bald erschienen wieder einsam all’ die Straßen.
In Feiertagsstillschweigen lag die Stadt
Im heitern Morgenglanz des jungen Lenzes,
So Einzug hielt in seiner besten Wat;
Nur hoch vom Dach und Firstenwerk herunter
Die Vöglein zwitscherten und sangen munter.
Sie waren in die Stadt gekommen, trotz der strengen
Verordnung hohen Raths, daß jedes Thor
Am Sonntag Morgen fest verschlossen bleibe,
Auf daß sich „nützid” in die Stadt verlor,
Was frommer Burger Andacht konnte stören,
Eh’, Punkt um Zehn, sich ließ das Zeichen hören.
So lange mit der Glocke dieses nicht gegeben,
Durchzogen Schaarwachtsknechte mit der Wehr,
In Schwarz und Grün und blanken Beckelhuben,
Gemessnen Schritts die Gassen kreuz und quer
Und sahen drauf, daß kein profanes Walten
Im Mauerring der Stadt sich mocht’ entfalten.