In tiefer Ruhe sonnten Plätze sich und Straßen,
Wie es so frommem Wesen zugehört.
Vor ihrem „großen Gott im Münster” konnten
Die München sammt den Laien ungestört
In Andacht knie’n, wenn sie nicht lieber lauschten
Den Orgelklängen, so durchs Haus hin rauschten.
Froh bei sich selber, daß die Fastenzeit vorüber,
Hielt Alt und Jung beim Hochamt stille aus,
Bis Sang und Orgelklang verklungen waren;
Dann aber ging’s im Sturme schier nach Haus,
Um da das Fest, bei buntgefärbten Eiern
Und leckrem Mahl, nach altem Brauch, zu feiern.
Indessen, lange weilte Niemand wohl am Tische.
Vom warmen Sonnenschein hinausgelockt,
Zog frohen Sinnes durch die offnen Thore,
Was Winterlang dem Ofen nah gehockt,
Und wer’s vor Alter oder Brest nicht konnte,
Sich auf dem Bänklein vor dem Hause sonnte. —
Gleich vielen andern war an diesem Nachmittage
Auch Götz von Randenburg, Schultheiß der Stadt,
Mit noch zwei Herrn durch’s Schwabenthor gewandelt,
Die, wie er selbst, der dumpfen Stadtluft satt,
Nun gerne einen Gang in’s Freie thaten,
Um zu beschauen sich den Stand der Saaten.
Der Schultheiß, eine Kraftgestalt in blauem Mantel,
Auf welchem sich des Kaisers Gnadenbild
An schwerer goldner Kette glänzend sonnte,
Erwiederte im Gehn die Grüße mild,
So Seiner Herrlichkeit die Burger zollten,
Wenn auf dem Weg die Herrn sie überholten.
Zur Rechten ihm der Herr im schwarzen Ordenshabit,
Ein schimmernd Kreuzlein auf der breiten Brust,
Schritt Abt Johannes, Herr zu Allerheil’gen,
Sich seiner hohen Würde voll bewußt,
Grüßt’ wohl auch er mit einem leisen Nicken,
Doch vornehm stets und mit gar frommen Blicken.
Links aber ging Herr Am Staad erster Burgermeister;
Der himbeerfarbne Mantel, vorn gestickt,
Fiel tief und faltig über Brust und Schultern,
So daß man kaum den Schwertknauf noch erblickt,
Auf dem die Linke ruhte. Einst, vor Jahren,
Trug er das Banner von Schaffhausens Schaaren.
Es hatte diesem Mann Schaffhausen viel zu danken.
Nothfesten Sinnes war er stets zur Hand,
Wenn’s galt den Burgern Wunn und Waid zu mehren,
In Zwing und Bännen weit umher im Land;
Auch kam sein Rath so Vielen schon zu Statten,
Die selbst im Rathhaus Sitz und Stimme hatten.
Die beiden Herren kamen von des Abtes Tafel;
Denn weil die Sonne warm durchs Fenster schien,
Bedurft’ es wenig, um zu Drei’n, wie Christus
Nach Emmaus, vor’s Thor hinauszuziehn,
Bei linder Osterlust und Blättersprießen,
Ein Stündlein lenzlustwandelnd zu genießen.
Gemächlich schreitend gingen ruhig sie des Weges
Und kürzten im Gespräche sich die Zeit,
So ihnen, zwar just nicht sehr zu bemerken,
Vor Jahr und Tag schon in das Haar geschneit;
Der Gang, noch jugendfrisch und stolz gehalten,
Ließ Lügen strafen auf der Stirn die Falten.