Den Dreien folgten etliche Geschlechterherren,
Schaffhauser Burger, doch von edlem Blut,
Wie die von Fulach, Imthurn, Stockar, Mandach:
Von altem Adel und mit Leib und Gut
Der Väter Sitten allzeit streng ergeben,
Gehörte nur der Stadt ihr wacker Streben.
Die Junkherrn gingen an der Seite ihrer Damen,
Gekleidet nach der Mode neu’stem Schnitt.
Am Hute prangten Federn, blitzten Steine,
In schönem Farbenspiel, bei jedem Schritt;
Auch waren zierlich ihre Handgewaffen,
Die übrigens zumeist zur Schau geschaffen.
Die Damen aber trugen alle Sammt und Seide,
Und um den Hals saß, steif gedollt und weiß,
Dem Schnee gleich blendend, eine Tellerkrause,
Bezeugend ihrer Gürtelmägdlein Fleiß;
Auch sie erglänzten reich in Ketten, Spangen,
Mit denen sie zum Feste sich behangen.
In wechselndem Geplauder leicht sich unterhaltend,
Blieb dann und wann der Schönen eine stehn,
Um auszuathmen, frische Luft zu trinken
Und weit hin über Berg und Thal zu sehn,
Wo holder Frühling rings die Landschaft schmückte,
Mit seiner Pracht die Blicke froh entzückte.
Am Arm der Eltern schritten jugendschöne Fräulein,
Die, wenn das Mündchen nichts zu plaudern fand,
Der Nachbarin Gewand und Schapel prüften,
Ob nicht zu kostlich Spitzen dran und Band,
Erröthend auch und schämig sich erzeigten,
Wenn schmucke Junkherrn grüßend sich verneigten.
In schlichterem Gewande gingen ernste Burger
Zur Seite ihrer redesel’gen Frau’n,
Die glücklich waren, mit dem Ehgesponse
Am Wege sich die Gärten zu beschau’n,
Den Kindlein, welche jedes Paar umsprangen,
Zu stillen heißer Sehnsucht froh Verlangen;
Schritt haltend, wandelten der zweite Burgermeister,
Herr Trüllerey, ein Mann bewährt im Rath,
Und Peyer im Hof, so des Seckels pflegte,
Seit ihn die Stadt vor Jahren darum bat.
Die Herren waren tief in Schwarz gekleidet,
Da man im Rath die hellen Farben meidet.
In leisem Sprechen über das Gemeine Wesen
Erwogen beide ernst den Casus sie,
Wie es gekommen, daß ihr Herr und Kaiser
Die Stadt ein zweites Mal als Pfand verlieh,
Indessen sie, die mitbehaft’ten Bürgen,
Am ersten Loskauf noch genug zu würgen.
Dicht hinter ihnen folgte Ott, der Sporenmacher,
Mit Habicht, dessen Haus am Gerberbach.
Selbst Roth, den Waffenschmied, litt’s nicht zu Hause;
Er ging mit Meistern von demselben Fach
Nach Langem wieder vor das Thor spazieren,
Lockt’ ihn auch nicht der Vöglein Musiciren.
Sein Thema war es just, den andern vorzurechnen,
Wie viel die Stadt gewänn’ vom Zoll am Rhein
Im Laufe eines Jahrs, als Meister Habicht
Mit schlauem Lächeln meinte: „Wenn der mein,
Des Wappenwidders Mannheit, Horn und Klauen,
Am Rathshaus wären neu vergüld’t zu schauen!”