Ein munter Liedchen trällernd zogen Handwerksknechte
Zum Thor hinaus, heut, voller Niedertracht,
Die Meister kaum mit einem Gruß beehrend;
Sie möchten, nun der Frühling war erwacht
Und Finke und Amsel ihre Schnäblein rühren,
Am liebsten gleich das Reisebündel schnüren.
Den Schluß des Zuges bildete ein Häuflein „Mauchen,”
Zu denen sich der Burger fremd verhielt,
Sie aber dennoch in der Stadt ließ wohnen,
Weil ihre Arbeit ihm Gewinn erzielt’; —
Die Lust, mit Weib und Kind vor’s Thor zu gehen,
War schon von weitem ihnen anzusehen.
Vergnüglich, wie ein schwärmend Immenvölklein summend,
Das seinen Heimatort im Stiche ließ,
Um fröhlich in der lauen Luft zu tummeln,
Zerstreute sich die Menge, Wald und Wies’
Belebend oder gruppenweis’ im Grase
Mit frohen Kindern spielend Hund und Hase.
Es war ein schönes Bild, voll Farbenpracht und Leben,
Was hier sich darbot und dem Blick erschien;
Ein Riesenteppich floß an Höhn und Rainen
Frischsaftig Grün gleich sanften Wellen hin.
Vom Blau des Himmels hoben sich die Dolden
Der Bäume ab im Sonnenschein, wie golden.
Nun mal im Freien, ließ wohl mancher sich verlocken,
Von all der Frühlingspracht ringsum im Land;
Ging, Umschau haltend, noch ein Endchen weiter,
Bis wo der Burgstall der von Fulach stand,
Allda ihn oft die Fernsicht lange bannte,
Eh’, ungern nur, den Schritt er heimwärts wandte.
So war es Götz und seinen Freunden auch ergangen.
In’s Schau’n versunken standen die drei Herrn
Auf jenem aussichtsfrohen Punkt beisammen,
Den die Schaffhauser auch noch heute gern,
Dem Fremden als ein traulich Plätzlein preisen,
Wenn’s gilt die Lage ihrer Stadt zu weisen.
Sie standen jedoch noch nicht lange, so gewahrte
Der allzeit frische Blick des Stadtschultheiß,
Daß auf der Straße etlich Reiter nahten,
Die, dicht geschaart um einen Zelter weiß,
Sich mühten mit dem letztern Schritt zu halten
Und, wie es schien, zu dessen Schutze galten.
Den Herren nahgekommen, hielten jetzt die Reiter,
Indessen einer aus dem Sattel sprang
Und, Götz sich nähernd, diesen fröhlich grüßte,
Daß weithin es und wohl vernehmlich klang:
„Zur guten Stund’ hab’ ich Euch treffen müssen,
Vieledler Freund! — Laßt Euch denn froh begrüßen!”
Im selben Augenblicke hatte auch der Schultheiß
Den Herrn erkannt, denn er ergriff die Hand,
Die dieser dar ihm streckte und sprach freundlich:
„Seid Gottwillkommen, Herr, in Stadt und Land!”
Dacht’ häufig schon, Ihr hättet ganz vergessen,
Daß wir als Gast in Eurem Heim gesessen!”
„Erlaubet jedoch,” dabei wies er auf die Freunde,
„Daß ich die werthen Herren hier Euch nenn’! —
Herr Am Staad, unser erster Burgermeister,
Ein Ritter, wie ich wenige nur kenn’,
Der unsrer Stadt mit seinem Schwert vor Zeiten,
In manchem Strauße half den Sieg erstreiten!”