„Am goldnen Kreuze möget Ihr den Abt erkennen
Von Allerheil’gen! — Fromm, wie Keinen mehr
Die Inful schmückt, so weit am Rhein wir wandern,
Auch, gleich Herrn Am Staad, mir befreundet sehr.
Sucht etwan Trost und Heil Ihr für die Seelen,
Kann dreist ich Abt Johannes Euch empfehlen.”
Als aber jetzt den Herrn er auch den Freunden nannte,
Erwies es sich, daß der dem Namen nach
Den beiden längst bekannt war als ein Ritter
Der burgenstolzen Landschaft Hegau; sprach
Doch öfter man, auf ihrer Zünfte Stuben,
Von dessen Richtagen an Höf’ und Huben.
So vorgestellt, begrüßten sich die Herren höflich,
Indessen Götz, der seine Pflicht gethan,
Es, während jene mit einander sprachen,
Geboten fand, dem Zelterlein zu nahn,
Doch groß erstaunt that, als auf dessen Rücken
Zwei Mägdlein saßen, lieblich zum Entzücken.
„Beim großen Gott im Münster!” fuhr es unwillkürlich
Von seinen Lippen. „Seh’ doch einer her,
Welch’ feine Waare unser Freund begleitet,
Als ob ihm nicht der Zoll im Wissen wär’,
So wir Schaffhauser haben zu empfangen
Von solchen Aepflein, schön mit Purpurwangen!”
„Müßt Euch den selber nehmen!” rief erfreut der Ritter,
„Die Mägdlein schulden wohl noch ihren Gruß?”
Dann, diesen nahe tretend, bat er dringlich:
„Hei, Else! gieb dem Herrn fein einen Kuß;
Hat auch zu Hause solcher Kindlein zweie,
Die gern die Wang’ ihm küssen nach der Reihe.”
In lieblichster Verwirrung ob der Bitte, blickten
Die Kleinen zaghaft auf die Herren hin,
Indessen jene, die er Else nannte,
Von argen Zweifeln schier befangen schien,
Ob richtig wohl den Vater sie verstanden,
Und man auch küssen thät in fremden Landen.
Schon aber trat der Schultheiß, flink die Zweifel lösend,
Mit Lächeln an den Zelter hin und bat,
So freundlich dies nur möglich, selbst die Kleine,
Bis diese endlich ihm den Willen that,
Das rothe Mündlein spitzend, tief sich beugte
Und ihre Huld durch einen Kuß bezeugte.
Viel leichter noch, ließ dann das Schwesterlein sich rühren;
Als er auch dieses, wie es heiße, frug,
Gab es die Antwort: „Käth’ werd’ ich gerufen,
Weil solchen Namen einst die Mutter trug!”
Doch, ihm zum Kuß das Mündlein dar zu reichen,
Ließ keines Wegs ihr Herzlein sich erweichen.
„Sind halt noch blöde, wie dies jungen Volkes Art ist —”
Nahm nun der Ritter wiederum das Wort,
„„Und reisemüde;”” — unterbrach der Schultheiß,
„„Sie sehnen allweg sich zum Herbergsort.
Wenn es Euch recht ist, wollet uns begleiten,
Wir werden allgemach der Stadt zu schreiten!””
Mit diesem Vorschlag einverstanden, schloß sich ihnen
Der Ritter gerne an, indeß im Schritt
Die Knechte langsam mit dem Zelter folgten
Und Achtung hatten, daß des Rößleins Tritt
Auch sicher vor sich ging und nicht mocht’ gleiten,
Weil jäh bergab die Mägdlein mußten reiten.