„Herr Schultheiß!” ließ da bald ihr Vater sich vernehmen,
„Was mich Euch treffen hieß so unverhofft,
Ist nicht bloß Zufall; denn ich muß bekennen,
Ich dachte Eurer diese Zeit her oft.
Vermein’ ich doch, ’s dürft Euer Rath mir frommen,
Wenn Ihr erfahren, weshalb wir gekommen!”
„Daß mir die Fraue starb, kam Euch wohl längst zu Ohren.
Gott tröste sie und schenk’ ihr Ruh im Grab!
Die Arme ist zur selben Stund’ verschieden,
In welcher Käthen sie das Leben gab,
Und hinterließ die Sorg’ um ihre Pflege
Dem Mann, der weder Wege kannt’ noch Stege.”
„Gezwungen, einer Magd die Kindlein zu vertrauen,
Ließ Haus und Hof mir wenig Zeit für sie.
Doch, Gott sei Lob! ’s ging besser, als ich dachte;
Sie wuchsen beide auf, wie Pflänzlein, die,
Vor Frost und Wind geschützt, des Gärtners Walten
Mit jedem Tage mehr und mehr vergalten.”
„So schwanden Jahre, die ich gern gefesselt hätte,
Um zu verhindern, daß sie je mir fliehn,
Als neue Sorgen die Erkenntniß brachte,
Daß mälig mir es für die Mägdlein schien,
Ihr leiblich Wohlsein dürfe nicht genügen;
Wir müßten Zucht und Wissen dazu fügen.”
„Doch dies zu bieten, ist ein Bergschloß nicht die Stätte;
Auch viel zu rüd’ des Hauses Ingesind’,
Mit welchem wir genöthigt sind zu hausen.
Der Burgpfaff aber, leider fast gar blind,
Wird täglich grämlicher in seinem Wesen
Und hat schon Mühe, nur die Meß’ zu lesen.”
„Das Schlimmste jedoch ists: es fehlt im Haus die Fraue,
So, einer Mutter gleich, mit weicher Hand
Die Mägdlein fein in Züchten halten könnte,
Aufmerkend, daß sie, neben Spiel und Tand
Auch, wie es Frauen ziemt, erzogen werden
Und nicht die zarten Seelen sich gefährden!”
„All’ dieses, werther Freund, schuf mir schon längst Gedanken,
Die mit der Zeit sich steigerten zur Qual,
Weil täglich schwerer es dem Herzen wurde,
Zu einen sich mit des Verstandes Wahl,
Die, wenn sie auch des Vaters Liebe kränket,
Mir doch die Kindlein selbst zum Heile lenket!”
„Es blieb mir so nichts weiter, als mich zu entschließen,
Die weite Fahrt in Eure Stadt zu thun,
Verhoffend, daß uns hier geholfen werde,
Für meine Küchlein finde sich das Huhn,
Die Pflegerin, so, gegen Lohn natürlich,
Die Mägdlein mir erziehen würd’ gebührlich.”
„Und nun, da Ziel und Absicht Ihr der Reise kennet,
Herr Schultheiß, ist zu rathen Euch nicht schwer,
Weßwegen ich’s zur guten Stunde nannte,
Als wir Euch trafen so von Ungefähr.
Seid Ihr es doch, auf dessen Rath ich zähle,
Eh’ einen Horst ich für die Meinen wähle!” —
„Will überlegt sein!” nahm der Schultheiß nun die Rede,
„Wenn ich Euch helfen kann, habt Ihr mein Wort!
Für’s Erste will es mir das Beste scheinen,
Daß ich auf Kundschaft gehe, da und dort
Zu hören, wer von den Geschlechterfrauen
Gesonnen ist, sich Solches zuzutrauen.”