„Bis dies geschehen, biet’ ich gern mein Haus zur Herberg’
So werthem Gast, und hoffe Ihr nehmt’s an,
Wie wir an jenem Abend, durchgefroren
Und reisemüd’ — schon manchmal dacht’ ich dran,
Es ohne langes Zögern angenommen,
Mit Roß und Troß auf Euer Schloß zu kommen!”
„So ich nicht irre, war es Eure eigne Base,
Die damals Ihr zum Ehgespons erwählt.
Sie aber ward am Hof erzogen, während
In unsrer Stadt die Frauen bald gezählt
Sind, die, auch wenn den Mägdlein Pfleg’ sie gönnten,
Solch’ feiner Schulen sich berühmen könnten.”
Sich gleichwohl doch schon jetzt gefällig zu erweisen
Es hielt der Schultheiß nun die Schritte sein
Ein wenig an, die Freunde zu erwarten,
— Sie schritten im Gespräche hinter drein, —
Um ernstlich sich bei ihnen zu verwenden,
Daß Rath und That auch sie dem Ritter spenden.
Eh’ jedoch diese ihre Ansicht äußern konnten,
Sah’n schon am Thor sie sich und eingezwängt
Von lautgeschwätz’gem Volk, das heimwärts strebte.
Als dann die Herrn sich durch den Schwarm gedrängt,
Der Stadtknecht half mit seinem Spieße wacker,
Gelangte man auch bald zum „Herrenacker.”
Hier trennten sich Herr Am Staad und des Klosters Abbas
Vom Randenburger, nachdem sie noch fein
Versprochen hatten, Abends auf ein Stündchen
Zu ihm zu kommen, um ein Kännlein Wein
Im trauten Stüblein bei des Wachsstocks Blinken,
Zum Willekomm’ des werthen Gasts zu trinken.
Der Ritter aber und sein Reitertrüpplein folgten
Herrn Götzen, dessen steingebauen Haus,
Ein Erker zierte es, sie gleich erreichten.
Hei! zogen sich der Mägdlein Stirnen kraus,
Da von des Hausdachs Rinne grimme Drachen
Auf sie herniedersahn mit offnem Rachen.
Die Ungethüme waren jedoch schnell vergessen,
Als Götzens Häuserin, Frau Hilda Rahm,
Im großen Flur des Hauses nun den Mägdlein
Voll milder Freundlichkeit entgegen kam
Und also herzig die Erstaunten grüßte,
Als ob sie beide längst im Hause wüßte.
Da ging es nicht mehr lange, saßen Wirth und Gäste,
Bei Tische, den Frau Hilda heut’ im Saal
Zu decken gut fand, wo, ohn’ langes Zaudern,
Die Kleinen schmecken ließen sich das Mahl,
Bis vor dem Sandmann, der sich angeschlichen,
Die müden Aeuglein bald die Segel strichen. —
Der Abt und Am Staad hatten treulich Wort gehalten.
Es traten beide bei dem Schultheiß ein,
da just die Nacht begann herauf zu dämmern,
und nun im Saale blinkte Kerzenschein;
doch trafen hier sie schon auch einen dritten,
der längst als guter Hausfreund wohl gelitten.
Es war der Propst vom St. Agnesenstift, Herr Ulrich,
Der in der Dämm’rung, wie er öfter that,
Dem Schultheiß guten Abend bieten wollte,
Doch gern es annahm, als Herr Götz ihn bat,
Ein Stündlein oder zweie zu verweilen,
Den Abend mit den Freuden heut zu theilen. —