Die Herren saßen um den Erkertisch im Saale,
Beim blanken Zinnkännlein Schaffhauserwein,
Der, traf des Wachslichts Schein ihn nur ein wenig,
Hellroth erglühte, wie Rubinen fein.
Ein trinkbar Tröpflein, das der Schultheiß wählte,
Weil dabei sich’s gut lauschte und erzählte.

Das Letzt’re that denn auch der Ritter heute fleißig.
Vor Jahren viel gereist, und nun im Zug,
Verstand er es, mit Anmuth zu erzählen.
Was Wunder also, wenn die Zeit im Flug
Den wortlos Lauschenden dahin geschwunden,
Indessen ihre Freundschaft er gefunden!

Es waren drum die Herrn dem Schultheiß gern zu Willen,
Als, da der Ritter schwieg, er diese bat
Des Freundes Kindlein helfend zu gedenken.
Sie gingen alsbald mit sich selbst zu Rath
Und überlegten ernst, auf welche Frauen
In diesem Falle wohl man könnte bauen.

Doch schien die Sache schwierig, sintemalen Zweifel
Sie bald beschlichen, ob auch all’ den Frau’n,
So sich der Mägdlein anzunehmen willig,
Die Fähigkeiten völlig zuzutrau’n?
Frug sich man da auf Ehre und Gewissen,
Ließ eine dies, die andre jenes missen.

Nach langem Sinnen war’s der Propst, der endlich anhub:
„Wie mich bedünkt, so handelt sich’s nicht bloß
Um eine Pflegerin für unser Pärlein,
Das missen muß den warmen Mutterschooß;
Wir brauchen Jemand, dem die Kunst verliehen,
Die Kindlein, wie es recht ist, zu erziehen!”

Zum Abt sich wendend fuhr er fort: „Ich kenne eine;
Ist zwar ein Nünnlein nur, doch sicher hat
Vom Nesenstift die Mutter Euch, Hochwürden,
Schon deren Lob gesungen frisch vom Blatt,
Daß weit und breit sich keine Schwester finde,
Die so viel Geist mit Frömmigkeit verbinde!”

„Wenn Frauen ihresgleichen loben, muß was dran sein,
Da, wie man weiß, sie sparsam damit sind!
Nun, ich traf selbst die Schwester, Schule haltend
In Burgerhäusern, rühme drum nicht blind;
Doch nie noch sah ich so geschickt verkehren
Mit Kindern, oder hörte besser lehren.”

„Wasmaßen nun, hochwürd’ger Herr und liebe Freunde,
Des werthen Gastes Sache anbetrifft,
So meine ichs: man sollte ohne Säumen
Der Meisterin vom Sankt Agnesenstift
Den Vorschlag thun, die Mägdlein aufzunehmen,
Auf daß in Obhut jener Nunn’ sie kämen!”

Hier schwieg der Propst, erwartend, daß der Abt jetzt spreche;
Doch weil derselbe noch zu denken schien,
Nahm bald Herr Götz das Wort und meinte:
Herrn Ulrichs Rathe wäre immerhin
Zu folgen; etwas Besseres zu finden,
Würd’ er nicht trauen sich zu unterwinden.”

Sein Kännlein fassend, sagte nun auch Herr Johannes,
Zum Propst gewendet: „Euer Rath ist fein
Und steht bei Euch, daß auch zur That er werde!
Legt selber nur ein gutes Wörtlein ein
Bei unsrer Schwester und, ich möchte wetten,
Sie werden bald im Stift den Mägdlein betten.”