Stets gern gefällig, gab Herr Ulrich das Versprechen.
Er meinte nur, daß auch der Rath der Stadt
Mit seinem Placet dann nicht zögern dürfe;
Es gehe dies nicht immer rund und glatt,
Da Stift und Nunnen ja in manchen Dingen,
Vom gnäd’gen Willen ihrer Stadt abhingen.

So war es mälig spät geworden und drum machten
Die Freunde bald sich auf die Socken leis
Und schieden. Vorher freilich hatte jedoch
Herr Ulrich wiederholt dem Stadtschultheiß
Versprechen müssen, in den nächsten Tagen
Im Stift der Mägdlein wegen anzufragen. —

Die Herren waren fort. Doch Wirth und Gastfreund blieben,
Beim Weine sitzend, noch ein Stündlein wach.
Hell, überm Kohlfirst, hing am Sternenhimmel
Der Vollmond, dessen Strahlen nach und nach,
So wie sie durch die bunten Scheiben flossen,
In Farbenschein sich in den Saal ergossen.

Da war’s der Wein wohl und die nächtlich stille Stunde,
Verwoben mit des Mondlichts Zauberbann,
— Nicht wenig aber auch des Wirthes Wesen,
Derweil sein Takt Vertrauen ihm gewann, —
Was von des Gastes Herz den Riegel sprengte,
Und ihn sich rückhaltlos zu äußern drängte.

Und einmal angefangen, glich’s des Wildbachs Wellen,
Die, jach zu Thale stürzend, nichts mehr hemmt,
Vom Regen hochgeschwoll’nen Wasserfluthen,
Die nun ihr Rinnsal plötzlich überschwemmt’;
Als, mit dem Freund alleine, er erzählte,
Was ihm sein Innerstes seit lange quälte.

„Es war ein Unglück, Schultheiß,” klangen herb die Worte,
„Als ich zur Frauen mir die Base nahm.
Denn anstatt Sälde, heitern, frohen Tagen,
Ward Leid mein Theil und stündlich neuer Gram.
Selbst das, was Ihr bei uns gesehn von Frieden,
War nur ein Schein, da sich die Herzen mieden.

„Doch mußt’ es wohl so kommen! Arm von Hause, sah ich
Im Reichthum nur des Menschen höchstes Glück.
Als hernach fein dem Thoren es erblühte,
Erkannt’ ich leider erst des Schicksals Tück’,
Dem ich mit schwerem Herzeleid bezahlte,
Was voller Herrlichkeit ich einst mir malte!”

„So reich die Base war, so eisig war ihr Herze.
Der Milde bar und holder Frauen Art,
Die glücklich ist, kann andrer Glück sie schaffen,
Blieb herb ihr Wesen und wie Marmor hart.
Es gab bald Nichts, so ehrlich auch ich’s meinte,
Was nicht, voll Eigensinn, sie mir verneinte.”

„In gegenseit’gem Quälen, bis auf’s Blut oft kränkend,
— Noch heute überläuft mich drob die Scham! —
Verbitterten wir elend uns das Leben,
Bis, immer häufiger, die Flucht ich nahm,
Um drauß’ im Forst, an gar zu bösen Tagen,
Mir Rettung vor Verzweiflung zu erjagen.”

„Noch öfter aber suchte ich, besonders anfangs,
Die Fraue zu begüt’gen, ihren Stolz
Durch Nachsicht zu vermindern und mit Bitten;
Alleine, gleich dem Harnisch, wo der Bolz
Auch abprallt, es vermochte nie mein Sprechen,
Den starren Trotz und Eigensinn zu brechen!”