„So war ich ärmer denn, als je zuvor im Leben,
Und wußte, traun! wie tief den Mann es kränkt,
Wenn gutgemeinte Worte ihm die Fraue
Voll Hohn im Mund verdreht und, giftdurchtränkt,
In’s strackte Widerspiel der besten Absicht wandelt,
Weil, statt der Liebe er nur Gold erhandelt’.

„Mich nur nach Frieden sehnend, ließ die Frau ich walten,
Trug ihre Launen, wie ein duldend Schaf,
Bis endlich, müde und zum Sterben willig,
Ich nichts mehr war, als ein gehetzter Sclav’,
Der nahe dran, mit seinen eignen Händen,
So jammervolles Dasein sich zu enden!”

„Doch kam es nicht so weit. Als uns ein Kindlein wurde,
Schien meiner Hoffnung wieder neu der Tag.
Im Handumdrehn war Gram und Leid vergessen,
Als mir im Arm das zarte Wesen lag
Und mir, dem jüngst noch vor dem Dasein graute,
Mit klaren Aeuglein frisch in’s Antlitz schaute.”

„Glückselig ob dem Anblick, wähnt’ ich hoffnungsfreudig,
Es ziehe Frieden nun in unser Haus.
Ich täuschte mich; schon in den nächsten Tagen
Blies bös ein Sturmwind mir dies Lichtlein aus;
Eh’ schien mir herber noch der Fraue Wesen,
Als all’ die Zeiten vorher es gewesen!”

„Doch ich, gelobend mir, dem Mägdlein nun zu leben,
Ließ sie gewähren, fügte mich und mied,
Noch mehr denn sonst, was Zwiespalt konnte bringen,
Als früh, beim zweiten Kind, der Tod uns schied,
Und zwar so jäh, daß ich’s kaum glauben wollte,
Da schon die Erde auf den Sarg ihr rollte.”

„Wohl schien mir da, als trüge ich die Schuld alleine,
Daß unsrem Bund nicht Glück noch Stern gelacht.
Und doch, beim heil’gen Blut! ich meint’ es ehrlich;
Ließ leider nur das Sprüchlein außer Acht:
Ein’ gute Heimstatt Glück und Frieden finden,
Wo sich in Lieb’ der Menschen Herzen binden!”

„Nun aber,” schloß er, „laßt mich um Verzeihung bitten,
Weil ich es wagte treuem Freund so lang
Die Ruh’ zu rauben. Freilich weiß ich selber
Es nicht zu nennen, was mich heute zwang,
Daß ich Euch beichten mußte ohne Hehle,
Was sonst verschwiegen ruhte in der Seele.” —

Bei sich den Freund bedauernd, hatte ernst der Schultheiß
Dem Ritter zugehört, bis er zu Ende war.
Jetzt ließ es ihn jedoch nicht länger schweigen.
Er war zu Gast einst bei dem jungen Paar
Und hätte damals, meinte er, geschworen,
Daß dies den Himmel sich schon hier erkoren.

Nun freilich er das Gegentheil davon vernommen,
Auch wohl so großes Unrecht nicht drin’ fand,
Daß nur nach Reichthum einst der Junker strebte
Und wahre Neigung nicht die Herzen band —
Befliß er sich dem Freunde Trost zu spenden:
Vergessen soll man, was nicht mehr zu wenden.

Im Saale war der Mondenschein schon längst verschwunden
Und auf dem Leuchter brannt’ das Wachslicht tief,
Als Gast und Wirth sich von den Siedeln hoben —
Und Letzt’rer leise einem Knechtlein rief,
Dem dann die Weisung ward, sich flink zu rühren,
Den müden Herrn in’s Schlafgemach zu führen.