Der Schultheiß selber aber ging noch nicht zur Ruhe.
Seit Jahren schon geheimen Künsten hold,
Wollt’ eine Tinktur er noch schnell erproben,
Die ihm verwandeln sollte Blei in Gold,
Ward richtig sie gebraucht im Vollmondszeichen. —
Heut’ ließ sich hoffen, dieses zu erreichen. — —

Herr Ulrich löste andern Tages sein Versprechen.
Er ging in’s Stift, um für die Mägdlein dort
Sein Wort bei der Aebtissin einzulegen;
Der Würdigen zu sagen, daß ein Ort,
Der besser, als Agnesenkloster passe,
In ganz Schaffhausen nicht sich finden lasse.

Klug wußte im Gespräch er darauf hinzuweisen,
Welch’ ein Gewinn für’s Stift es dürfte sein,
Wenn dessen Frauen eine sich den Mägdlein
Als Lehrerin und Mutter wollte weihn;
Der Vater nenne manch Gehöft sein eigen
Und sei der Mann, sich dankbar zu bezeigen.

Weil trotzdem mit der Antwort die Aebtissin säumte,
Erwähnte er noch, schlau, daß selbst vom Rath
Der Herren etzlich gern es sehen würden,
Wenn sie entschließe sich zur guten That;
Auch schon im Voraus drüber einig wären,
Dem Stift das nöth’ge Placet zu gewähren.

Auf solches Winken aber gab’s nur eine Antwort.
Und so erklärte sie gar grämlich: sie
Sei einverstanden mit des Propstherrn Vorschlag;
Obzwar sie selber noch nicht wisse, wie
Es anzufangen und was zu geschehen,
Da sich das Stift solch’ Gästen unversehen.

Indeß auch dafür wußte jetzt Herr Ulrich Hülfe.
Es möge die Frau Mutter, sprach er schlau,
Sich vorerst mit der Kusterin bereden;
Wenn die zu pflegen sich die Mägdlein trau’,
So würden sicherlich sie nichts vermissen,
Die Schwester ziere Tugend ja und Wissen.

Ein Weiteres zum Lob der Nonne noch zu sprechen,
Kam ihm die Oberin jedoch zuvor.
Wie schon gewohnt, so rühmte sie nun Jene,
Bis fast der Stiftspropst die Geduld verlor
Und froh war, als des Klosterglöckleins Klingen,
Die Dame abberief zum Vespersingen. —

Mich aber soll es mahnen, diese Zeit zu nutzen
Und, Rückschau haltend, werther Freunde Gunst
Nicht allzusehr auf’s Spiel zu setzen. Ist’s doch
Geschehen, mögen sie verzeihn! Die Kunst,
Sich im Erzählen weise zu beschränken,
Ist nicht so leicht, als oft die Leser denken. —

* * *

Als, an dem Morgen da Herr Kuonrad fortgeritten,
Des Vogtes Tochter spät zum Vorschein kam,
Im blassen Angesichte Thränenspuren,
Die Zeugniß gaben von des Herzens Gram,
Gab’s Frida Anlaß, voller Spott zu fragen,
Ob sie sich nächtens ließ vom Schrättlein plagen.