Da Elsbeth hierauf keine Antwort hatte, sondern,
Wie es sich schickte, nach den Gästen frug,
Vermehrte dies der Alten schlechte Laune,
Gleich einem Funken, der in’s Pulver schlug,
Daß kaum die Herrin sich zu athmen traute,
Weil selten noch so bös sie jene schaute.
„Bei Eurer Mutter selig, tröst’ sie Gott, die Gute!”
Hub lärmend Frida an, „da war der Brauch,
Daß man vor Mitternacht das Pfuehl sich suchte;
Es hatte aber dann der Kaplan auch
Nicht leerem Kirchlein eine Meß’ zu lesen,
Wie heute Früh der Fall bei uns gewesen!”
„Es ging ja schier, als hausten wir in einer Schenken,
Drin’ Alt und Jung beim Weine sitzend schmort;
Hat man genug, geht’s, ohne Abschiedsnehmen,
In aller Still’ bei Nacht und Nebel fort.
Ja wäger! Wo die Frau im Hause fehlet,
Da bleiben halt die Männer ungestrählet!”
„Ein B’hüet Gott! hätte wohl dem Junker nicht geschadet,
Hi, hi! Und wenn es jetzt auch hundert Mal
Des Bischofs Nistel ist, was sie ihm freiten! —
Hi, hi! Ich mein’, es sollte seine Wahl,
Will einer nicht um andrer Schulden büßen,
Ein jeder für sich selbsten treffen müssen!” —
„Mir kam das Herrlein übrigens nicht vor wie einer,
Der unverhofftem Glücke plötzlich nah —”
Hier jedoch hielt sie tief erschrocken inne,
Denn in den blauen Augen Elsbeths sah
Sie etwas schimmern, was wie Thränen blinkte,
Der allzu Borstigen zu schweigen winkte.
Verwundert schaute Frida auf, ward aber irre,
Da, nun sie schwieg, die Herrin lächelnd frug,
Weßwegen denn der Strom so jach versiegte,
Der eben noch gar hohe Wellen schlug;
Es blieb ihr nichts, als selbst sich zu gestehen,
Daß, wie schon oft, sie wieder falsch gesehen.
Nun, noch mehr aufgebracht, ließ drum sie ihrem Zünglein
Von neuem flink den Lauf, nicht ahnend, daß,
So oft sie von Herrn Kuonrad sprach, der Herrin
Es, einem Feuer gleich, am Herzen fraß,
Die Arme mit sich rang, in heißen Kämpfen,
Getäuschter Hoffnung bitter Leid zu dämpfen.
Doch, wer sein Glück verschweigen kann und hehlen,
Dem öffnet seltner noch das Leid den Mund;
Stumm trug auch Elsbeth ihre Lieb’ zu Grabe,
Versenkte tief sie in der Seele Grund;
Es nicht zu zeigen, was sie litt im Stillen,
Gelobte sich die Maid mit festem Willen. —
Sie hatte freilich noch am gleichen Tag, beim Abschied
Von Fräulein Adelgunden manches Wort
Von Männertreu’ und Aehnlichem zu hören,
Das kränkend sich in ihre Seele bohrt’,
Doch blieb sie still und ließ das Fräulein sprechen,
Wollt auch das Herz in seinem Leide brechen.
Auch nachher quälte Elsbeth sich noch lange. Sie fand
Den Schlummer erst, wenn bald der Morgenstern
Zu bleichen anfing und der Hahnschrei mahnte,
Der neue Tag sei nicht mehr allzufern;
Vom Weinen müd’, ersehnte sie den Morgen,
Ihr Leid betäubend durch des Tagwerks Sorgen.