Und Arbeit war noch stets der beste Sorgenbrecher.
Es fiel zwar auf, daß bei der Mägde Lied
Der Herrin Stimme man nur selten hörte,
Wie auch, daß sie die allzulauten mied,
Wenn Abends beim Gesangs die Wirtel kreisten;
Zu fragen — mochte Niemand sich erdreisten.

Am Weihnachtsfeste aber, war es Elsbeth wieder,
Die, wohl zur Freude Aller, selbst den Sang
„Agnoscat omne saeculum” anstimmte,
Und glockenhelle aus der Brust es klang,
Als ob die Seele, frei von ird’schem Ringen,
Sich jubelnd auf zum Himmel wollte schwingen.

Als endlich allgemach der Winter nordwärts rückte
Und, fern aus Süd’, der Frühling näher kam,
In Hof und Haus die Arbeit täglich mehrend,
War, gleich dem Schnee, verschwunden auch der Gram;
Die heimlich blaßgehärmten, zarten Wangen
Erblühten mälig aus, wie Rosenprangen.

Und nun der Lenz gekommen, pflegte Elsbeth wieder
Von Kunz begleitet, der ihr Körblein trug,
Am Fuß des Bergs die Hütten aufzusuchen,
Drin’ sie, wie früher, nach den Armen frug,
Um mild des Körbleins Inhalt zu verwenden,
Bresthaften Hör’gen Speis und Trank zu spenden.

War sie mit diesen fertig, kam der Kinder Reihe.
Für jedes hatte sie ein freundlich Wort;
Auch fehlten nicht die Schäflein in dem Täschchen,
Denn eher ließen jene sie nicht fort,
Sie konnte stundenlang bei ihnen weilen,
Froh Scherz und Kurzweil mit den Kleinen theilen.

Am liebsten jedoch suchte sie in seinem Stüblein
Den Kaplan auf, der meist am Fenster saß,
Es heißt der Platz noch jetzt „des Herren Bänklein,”
Wo er, zur Abwechslung, mit seinem Glas
Im Thal des Reiches Straße observirte,
So schon zur Römerzeit im Gau fortführte.

Wie vormals lauschte jetzt die Leidgeprüfte willig
Dem Kaplan; faßte dessen Lehre nun:
Daß dem alleine es nur sei beschieden,
In wahrem Gottesfrieden traut zu ruhn,
Der, klüglich wählend, ird’schem Glück entsage,
Mit eitler Weltlust nicht die Sinne plage.

Gab es denn Zweifel noch an solcher Worte Wahrheit,
Seit sie an sich erfuhr, wie schmerzlich jach
Das Schicksal ihren schönsten Traum zerstörte,
Gleich jenem Glase, das in Scherben brach?
Mußt’ sich dem Herzen nicht der Wunsch enthüllen,
Was Benno lehrt, auch gläubig zu erfüllen? —

Im stillen Kloster, wie der Vater längst dies wollte,
Erhoffte Gottergebnen Sinn’s die Maid
Für sich ein Glück, das Lebenslang genügte,
Nicht endete in bitterm Herzeleid;
Dies schöne Ziel in Bälde zu erlangen,
War nun der Frommen einziges Verlangen.

Wohl lag es schwer und bang auf ihrer jungen Seele.
Von Haus und Heim zu scheiden ging ihr nah’,
Als eines Tags, vom Vater nur begleitet,
Mit jedem Schritt sie immer ferner sah,
Des Schlosses Thürme hinter sich versinken,
Die letzten Grüße noch zum Abschied winken.