Der Trennung herbstes Weh empfand die Jungfrau aber,
Als, unweit Riedern, wo der Weg abzweigt,
Zum Punkt sie kamen, da dem scharfen Blicke
Der Schloßberg sich ein letztes Mal noch zeigt;
Nach rückwärts schauend, mußte hier in Thränen
Die Scheidende sich an den Vater lehnen.
Und, selbst erschüttert von dem Leid der Tochter, hatte
Herr Heinz sie dort gewähren lassen, eh’
Sein tröstend Wort die Schluchzende ermahnte,
Sich nicht zu überlassen solchem Weh’,
Da einer Heimat auf der Spur sie wäre,
Von wo kein Abschied mehr das Herz beschwere.
Nach einer weitern Rast, am Fall des Rheins gehalten,
Ging’s dann auf müden Rossen allgemach
Schaffhausen zu, das sie auch bald erreichten.
Hei! sahn die Burger hier dem Fräulein nach
Und wollten schier dem eignen Blick nicht trauen,
Im Bann der Stadt so schöne Maid zu schauen.
Die Schöne freilich war am nächsten Tag Novize
In Sankt Agnesens frommer Frauenschaar.
Des Vaters Bruder hatte, weil er damals
Des Stiftes wohlbestellter Propstherr war,
Schon vorher dafür Sorge tragen müssen,
Daß Oberin und Schwestern gern sie grüßen.
Ein letztes Stücklein Reben, das um Elsbeths willen
Der Vogt seit Jahren unverpfändet ließ,
Es ward ihr Seelgerett’, dem Stift zu eigen
Auf ew’ge Zeiten, wie’s im Briefe hieß;
Doch sollte dieses, nach kaum hundert Jahren,
Was Menschen ewig nennen, bös erfahren. —
Zufrieden sah sich Elsbeth so am Ziel des Wunsches,
Den ihre Seele sehnlich noch gehegt,
Seit holdern Wunsch ihr jählings ward vernichtet,
Der Blume gleich, von Reif und Schnee belegt;
Wenn anfangs etwas ihr am Herzen nagte,
War es das Heimweh, was sie leise plagte.
Nach etlich Wochen aber war auch dies bezwungen:
Sie widmete als Nonne nun ihr Thun
Und Denken freudig den gebotnen Pflichten;
Der Schwestern Jüngste ließ es sie nicht ruhn,
Gebet und Arbeit stets vereint zu pflegen,
Im frommen Haushalt tüchtig sich zu regen.
Ihr unmerklich war Jahr auf Jahr dahingeschwunden,
Indeß sie selber täglich im Vertrau’n
Der Ob’rin zugenommen, so daß diese
Der Schwester, als der Klügsten von den Frau’n
Im Stifte, das Amt der Kust’rin übertragen,
Mit der sie Rathes pflog in heiklen Fragen. —
Als ob dem Menschen nicht die ganze Welt zu eigen,
Baut jeder sich noch eine eigne drin’,
Gestaltend sie nach seinem besten Können,
Entfremdend ganz, was außer ihr, dem Sinn.
Er fühlt sich wohl nur im gewohnten G’leise
Der selbst gezognen, oft gar engen Kreise.
So ging es auch der Nonne. Uralt dumpf Gemäuer,
In welches selten mal die Sonne schien,
War ihre Welt in der sie, emsig waltend,
Längst nicht mehr achtete der Jahre Fliehn.
Sie lebte im Bewußtsein: Glück und Frieden
Sei reich vom Himmel ihr schon hier beschieden.