„Und item, kann ich Eurem Herzen noch vermelden,” —
Hier freilich stotterte Herr Kuonrad stark
Und ward bei jedem Worte ihm zu Muthe,
Als schneide er sich in das eigne Mark, —
„Daß Euer Bäslein, wie mich dünket, trauert,
Weil Eure Absenz gar so lange dauert.”

„Ihr Jawort hab’ ich, für das Weit’re wollet sorgen.
Sitzt nun am Rocken, dreht Euch selbst den Zwirn;
Doch traun, des Königs schmucke Ritterleute
Verwirren etwan gern ein Frau’ngehirn;
Auch ließ das Bräutlein nicht ganz leicht sich werben
Und Euer Zögern könnte viel verderben.”

„So reitet denn mit Gott in nächsten Tages Frühe,
Daß ja Ihr ehstens wieder um uns weilt.
Mit Gruß, Eu’r Oheim Otto, episcopus. —”
Herr Kuonrad schwieg; er hatte sich beeilt,
Den herben Trank in raschem Zug zu leeren,
Statt männlich seines Schicksals sich zu wehren.

Des Freundes Glück sich freuend, griff der Vogt zum Kruge
Und bracht’ ein Wohl aus auf des Junkers Braut.
Hell klangen Krug und Gläslein an einander,
Als jählings ward ein kurzes Klirren laut:
In kleine Scherben lag das Glas zersprungen,
So eben noch in Elsbeths Hand erklungen. —

Die Arme hatte ahnungslos gelauscht dem Freunde,
Bis von der Braut im Brief die Rede war,
Da wollten plötzlich ihr die Sinne schwinden,
Es trübte sich das schöne Augenpaar,
Und die noch erst so fröhlich konnte scherzen,
Sie saß nun schmerzgequält, die Hand am Herzen.

Indessen bald entschlossen all’ ihr Leid zu hehlen,
Am ersten dem, der trug die Schuld darob,
Stand sie auch auf und griff nach ihrem Gläslein,
Da alles sich zum Wohl der Braut erhob,
Das Heilo! freilich klang aus blassem Munde
Noch minder laut, als das von Adelgunde.

„Ihr freut Euch wäger?” hörte Elsbeth diese fragen,
Als just ihr Heilo sie gar zaghaft sprach,
Da ließ die weiße Hand das Gläslein fallen,
Daß klirrend es in hundert Stücke brach. —
Zum Schmerz noch Spott, wer dieses je empfunden
Und schweigend trug, hat Schweres überwunden.

Mit aller Kraft das wehe Herz bemeisternd, säumte
Die Gute nicht, zu thun, was ihre Pflicht,
Hielt tapfer aus am Tische, freundlich sorgend,
Daß es an Speis’ und Trank gebreche nicht;
Bis Adelgunde spät zur Ruh’ begehrte,
Weil nun der Abend ihr zu lange währte.

Den Schwänken lauschend, die der Vogt so gut erzählte,
Fiel Niemand auf, daß bald das Mädchenpaar,
Nach stillem Grüßen, sich zu Gehen wandte,
Obschon es damals just nicht Sitte war,
Daß, wenn die Herrn ins rechte Zechen kamen,
Die Damen darum ihren Rückzug nahmen. —

„Schickt mir den Fahrenden nach Wasserstelz hinüber,”
Sprach Adelgund’ auf Elsbeths „gute Nacht!”
„Er soll uns singen und zum Tanze spielen,
Bis früh das Taglicht durch die Scheiben lacht.
Was wär’ das Leben, gäb’s nicht hin und wieder,
Sich zu vergessen, Saitenklang und Lieder!”