Was er sich einst ersehnte, nun war’s ihm geworden,
Es lacht’ das Glück ihn an! Doch tief verzagt
Und, ach, im Innern nichts als schmerzlich Ringen,
So sah er in Verzweiflung sich gejagt.
Wußt’ nicht, soll er entsagen, unterliegen,
Mit Mannesfestigkeit den Gram besiegen?
Wie selten doch gelingt es uns einmal im Leben,
Daß das, was Jahre lang wir heiß erstrebt,
Uns wirklich Segen bringt, wenn es errungen;
Was einst als höchstes Ziel uns vorgeschwebt,
So Manchen trieb, das Aeußerste zu wagen,
Wie oft bracht’s Kummer nur, und bitter Klagen!
Noch war Herr Kuonrad unentschlossen, als auf einmal
Ein silbern Lachen tönte durch’s Gemach,
So lieb und traut, wie es nur Eine konnte,
Das aber doch ihm nun das Herze brach,
Sah, er, wie sie, des gleichen Schicksals Beute,
sich ahnungslos des Augenblickes freute.
Nicht unfern ihm saß Udo, leis mit Elsbeth plaudernd.
Herr Kuonrad sah der Holden süßen Mund
In Unschuld lächeln, Grüblein in den Wangen,
Von denen er geträumt so manche Stund’,
Daß anmuthvoll die gleich zwei Röslein blühten,
Und nun riß es ihn auf aus seinem Brüten.
Im selben Augenblick hob sich der Vogt vom Stuhle
Und, immer noch das Schreiben in der Hand,
Sprach freundlich er und allen wohl vernehmbar,
Den klaren Blick zum Freunde hingewandt:
„Ihr reiset morgen, läßt der Bischof wissen;
Uns thut es leid, Euch gar so bald zu missen!”
Dies hörend, kam dem Junker blitzschnell der Gedanke:
„Der Freund hier ist’s, der auch schon alles weiß;
Ganz sicher hat der Oheim ihm berichtet!”
Es überlief ihn dabei kalt und heiß,
So daß er schweigend in sein Schreiben starrte,
Indeß Herr Heinz von ihm der Antwort harrte.
Ein kurzes Ringen noch, doch qualvoll, schmerzensbitter;
Herr Kuonrad sah, es blieb mehr keine Wahl,
Als ungesäumt sich muthig zu entscheiden
Und — schnell entschlossen, kürzte er die Qual,
Bedachte nicht, ob auch das Herz gewinne,
Wenn er sich Reichthum wählt, statt treuer Minne.
Ein kurzes Lächeln heuchelnd, stand er auf am Tische
Und sprach, zum Vogte hingewendet, laut,
Doch ohne aufzublicken: „Es ist billig,
Daß frohe Botschaft man dem Freund vertraut:
Vernehmet denn, so Euch es mag belieben,
Was mir des Oheims güt’ge Hand geschrieben....”
Er las: „Wohledler und viellieber Herr und Neffe!
Zu wissen sei Euch und in Treuen kund,
Daß mir gelang, den König zu versöhnen,
So daß er nicht mehr grollt zu dieser Stund’;
Erachte auch, wollt’ es nicht ungut nehmen,
Habt nunmehr bas gelernt, die Zunge zähmen!”
„Wenn dem so ist, so möget Ihr denn wiederkehren
Und nützen Eures Herrn und Königs Gunst;
Nicht immer leuchtet ja des Glückes Sonne
Und hoher Herren Gnad’ ist öfter Dunst,
Den, wenn wir uns am wenigsten versehen,
Ein leichter Windzug läßt in Nichts verwehen.”