Der Junker hatte diese Worte kaum vernommen,
Als schon er freundlich sich an Elsbeth wandt’
Und bat: „Vergönnet mir Euch zu begleiten;
Viel schneller rinnet ja im Glas der Sand,
Kann ich mit Pflichten meine Zeit mir würzen,
Von langer Weil’ verschont, die Stunden kürzen!”

Da zog ein lieblich Lächeln um der Holden Lippen,
Und fragend schaute sie zum Vater aus.
Doch weil der schwieg, so galt es selbst zu reden,
Und so erwiederte sie sittsam draus:
„Wollt Ihr so gut sein und mein Körblein tragen,
Darf mit zu gehen Euch ich nicht versagen.”

„Es ist ein gutes Werk,” sprach noch sie, leis erröthend,
Und gönne Euch ich gern des Dankes Theil,
Den uns die Armen ja von Gott erstehen,
An zeitlichem Gedeihn und ew’gem Heil,
Selbst da, wo kaum an ein Verdienst wir glauben —
Ich möcht’ Euch solchen Segens nicht berauben.”

„Wollt Ihr denn mit, so harret meiner dort beim Brunnen,
Nehmt aber vorher guten Imbiß ein;
Wir werden schwerlich vor dem Mittagläuten
Im Schloß zurück von unsrer Thalfahrt sein!”
Dann neigte sie sich leicht und schritt zur Halle,
Wo schon das Mahl bereitet stand für Alle.

Gemächlich folgten auch die andern dorthin — aßen
An einem Tische doch noch Herr und Knecht. —
Das Essen, so in grauen Schüsseln dampfte,
War Haferbrei, der, steif gekocht und recht
Mit süßer Milch begossen, trefflich schmeckte,
Wenn auch kein Linnen fein die Tische deckte.

Kurz Haar ist bald gebürstet! Als das Mahl zu Ende,
Rief Elsbeth Frida, ihre alte Magd.
Die mußte ihr den Tragkorb füllen helfen
Mit einem Häslein von der letzten Jagd;
Dann kam noch Brod und auch ein Krug mit Weine,
Und hob sie selbst den Korb, wie schwer er scheine.

Er schien ihr leicht genug, auch etwas Mehl zu fassen,
Drauf aber lief sie flink in ihr Gemach,
Ein gutes Tüchlein um den Kopf zu binden.
Sie kannte noch kein besser Sonnendach;
Denn einen Hut durft’ sie nur Festtags tragen,
Sonst fand der Kaplan wieder Grund zu klagen.

Ohn’ viele Worte schritten bald darauf die Beiden,
Der Korb hing unschwer in des Junkers Hand,
Der Halde zu; jung Elsbeth weithin kenntlich
Durch ihr, im Winde wehend, blau Gewand,
Das sie, weil dies bergab den Schritt ihr kürzte,
Am Waldrand züchtig etwas höher schürzte.

Von hier an ging es flink die grüne Halde nieder.
Noch blühten Glockenblumen, Thymian,
Das Kräutlein Augentrost mit weißen Blümchen,
Goldgelber Ginster, duft’ger Enzian,
Und froh im Reigen um die Blüthen schwebten
Beschwingte Wesen, die nach Honig strebten.

Ein paar Mal wandte Elsbeth sich an den Gefährten
Und frug ihn lächelnd, ob der Korb noch nicht
Zu schwer geworden; aber stets verneinte
Der Junker dies mit freundlichem Gesicht.
Ja, er verschwor im Scherz sich, es zu wagen,
Ihr Körblein bis an’s End’ der Welt zu tragen.