Auf einmal jedoch war die Rasche ihm entschwunden,
Und zwar just da, wo’s steil zur Tiefe ging;
Herr Kuonrad mußte wohl des Körbleins achten
Und dessen Inhalt; doch das war nicht ’ring.
Schon perlten auf der Stirne ihm die Tropfen,
Er hörte deutlich seines Herzens Klopfen.
Vom Wald umfangen schritt er dennoch eilig abwärts;
Kein Laut ertönte, nicht ein Vöglein sang;
Der Pfad fiel immer steiler ab, ward schlüpfrig
Und schien dem Junker bald unendlich lang.
Doch stieg er, sich verschnaufend hin und wieder,
So gut er konnte durch die Halde nieder.
Das Körblein aber ward indessen immer schwerer.
Er sprach im Stillen manches derbe Wort,
Wenn Brombeerranken mit den scharfen Dornen,
Am Gehn ihn hinderten in einem fort.
Wie war’s dem Herrn sonst doch so leicht erschienen,
In höfisch feiner Art den Frau’n zu dienen?
Doch endlich schimmerte es licht durch das Gezweige,
Zur Rechten sah er einen Rebenhang
Und links, im Schatten alter Wallnußbäume,
Lief breit sein Weg den grünen Rain entlang.
Verdrossen fast, weil Elsbeth nicht zu sehen,
Hob jetzt der Junker schneller an zu gehen.
Da klang es silberhell aus eines Nußbaums Schatten:
„Herr Kuonrad, wartet — ruht ein wenig aus!
Das Körblein ist Euch wahrlich schwer geworden;
Gebt mir es, wir sind bald beim ersten Haus!”
Und nun er seitwärts ins Gebüsche blickte,
Saß Elsbeth dort, die froh ihm winkend nickte.
Im weichen Grase ruhend, wies sie mit dem Finger
Thalauswärts, wo im Morgensonnenschein
Das Dörflein lag; etlich’ zerstreute Häuser
An eines Baches grünem Uferrain,
In deren Mitte sich ein Hüttlein zeigte,
Deß’ Strohdach fast bis an die Erde neigte.
„Wenn Ihr Euch setzen wollt, hier ist ein lauschig Plätzchen!”
Fing Elsbeth wieder an, und dabei wand
Sie spielend um ein Büschel blauer Blumen,
Die an dem Wege durch den Wald sie fand,
Ein Endchen Zwirn, sich einen Strauß zu binden,
Der Platz an ihrem Busen sollte finden.
Müd’, wie der Junker war, befolgte er die Worte
Und lagerte sich hin in’s hohe Gras;
Das Körblein stand als Grenzmark zwischen Beiden,
So daß sein Träger nicht zu nahe saß.
Mocht’ er’s auch heimlich um den Platz beneiden,
Es half ihm nichts, er mußt’ es eben leiden.
Gar süß klang dafür es jetzt in Herrn Kuonrads Ohren:
„Verzeiht, daß ich so eilte durch den Tann
Und voraus ging; das macht, weil abwärts steigend
Ich manchmal nicht die Schritte hemmen kann.
Um jedoch volle Wahrheit Euch zu sagen,
Mag Schuld daran auch die Gewohnheit tragen.
So oft sonst Kunz mit mir zu Thale ging, erzählte
Er jedes Mal auch irgend eine Mähr
Vom Bergmännlein, das hier im Walde hauset,
So daß am liebsten dann ich draußen wär.
Ja, neulich noch, schwur er mir hoch und theuer,
Er hätt’ es selbst gesehn im Wald am Feuer!”