„Zwar bin ich wohl gefestet wider Spuck und Zauber;
Doch fürchte ich des Auges bösen Blick,
Vor diesem kann kein Heilthum uns bewahren
Und wen er trifft, den fasset schlimm Geschick.
Zu dessen Rettung soll kein Mittel taugen,
Wer sich bezaubern ließ durch ein paar Augen!”

„Des Vaters Muhme hat mir davon oft gesprochen.
Die wußte es und ihr hab’ ich geglaubt,
Als sie mir einst erzählte, daß zwei Augen
Den Frieden ihr für Lebenslang geraubt. —
Nun werdet Ihr mir hoffentlich verzeihen,
Daß Eurer ich erst wartete im Freien.”

Die letzten Worte hatte Elsbeth leis gesprochen
Und dabei sich bemüht den Blumenstrauß
Am Busen festzunesteln. Damit fertig
Sah sie, wie träumend, nun ins Feld hinaus;
Vom Thale klang des Baches munter Rauschen,
Ihm mochte, unbewußt, die Holde lauschen.

„Da war ich übel dran,” versetzte jetzt der Junker,
Ihr Träumen unterbrechend, „als allein
Den wilden Weg Ihr so mich wandern ließet!
Mir schwante selber, daß es dort nicht rein;
Denn ganz gewißlich haust in diesen Bergen
Noch eine Schaar von Unholden und Zwergen!”

„Wenn die mich nun im Wald gefangen halten würden
Mitsammt dem Korbe? Hättet Ihr nicht Schuld,
Da Euch bewußt ist, daß es nicht geheuer?
Ihr zeigtet, fürwahr! mir nur wenig Huld,
Und wär’ am Ende es Euch recht gewesen,
Wenn so ein Unhold mich zum Ziel erlesen?”

Herr Kuonrad wollte schon den Scherz noch weiter treiben,
Da fiel sein Blick auf Elsbeths Angesicht.
Wie Purpurgluthen lag’s auf ihren Wangen:
Ob er dies Alles wohl im Ernste spricht?
Und plötzlich wollte es ihm nun erscheinen,
Sie sei dem Lachen ferner, denn dem Weinen.

Ein großer Blick aus ihren blauen Sonnenaugen,
Der Seele tief entsteigend, traf sein Herz;
Der Junker kürzte also schnell die Rede
Und schloß gar schelmisch seinen kleinen Scherz:
„Will Euch für dies Mal keines Unrechts zeihen,
Wollt meiner Bitte Ihr Gehör verleihen!”

„Verschenket mir das blaue Sträußlein dort vom Busen;
Ich acht’ es gegen Zauberei als Schild
Und will es halten, als der Herrin Farbe,
Zum Angedenken holder Dame Bild.
Gewähret daher gerne mir die Bitte;
Die Gabe halt’ ich werth nach Rittersitte!”

Holdselig Lächeln aus den Wangen, reichte Elsbeth
Ihm ohne Zaudern das Verlangte dar.
Stolz steckte er es an’s Barett, das schlichte,
So keck, ihm saß auf dunklem Lockenhaar,
Und dankte, glücklich über die paar Blüthen,
Gelobend, sie gleich theurem Schatz zu hüten.

Ein sanft Erröthen lohnte schön ihm für die Worte,
Dann jedoch sprang sie auf; es griff die Hand
Flink nach dem Körblein, um dies selbst zu tragen.
Herr Kuonrad aber hielt als Träger Stand;
Er bat nur darum, ihm den Arm zu reichen,
Ein zweites Mal sollt’ Elsbeth nicht entweichen.