„Bin dieses nicht gewohnt,” klang heiter ihre Antwort,
„Auch ist mir fremd, wie man’s am Hofe hält.
Ihr werdet aber, hoff’ ich, mir verzeihen,
Denn wenig nur sah ich noch von der Welt;
Doch Ihr, Herr, habt gewiß schon Viel gesehen?
Erzählet, bitte, währenddem wir gehen!”

Dann schritt sie leicht an seinem Arm dem Dorf entgegen,
So friedlich lag in Laubgrün eingewiegt.
Es glich die Maid der zarten Eppichranke,
Die sich an einen festen Eichbaum schmiegt
Und schüchtern strebt, sich dran empor zu winden;
Ein besser Gleichniß weiß ich nicht zu finden.

Im Gehen wiederholte Elsbeth bald die Bitte,
Herr Kuonrad sollt’ erzählen, was er sah
Auf seinen Fahrten durch die fremden Länder
Und was ihm selber da und dort geschah.
Nun, wollte er sich ihr als Ritter zeigen,
Durft’ länger wohl der Junker nicht mehr schweigen. —

Vor Jahren hatte er den Ohm nach Rom begleitet
Und mancherlei erlebt auf jener Fahrt
Von wälscher Tücke und vielschönen Frauen,
Von fremden Sitten und gar feiner Art.
Nun ließ er’s nicht am rechten Ausdruck fehlen
Und mischte Scherz dem Ernste im Erzählen.

Verhaltnen Athems fast, ging Elsbeth still daneben
Und lauschte staunend jeder neuen Kund’.
Herr Kuonrad wußte prächtig zu erzählen,
Ihr Blick hing unverwandt an seinem Mund;
Sie folgte ihm zur „Stadt der sieben Hügel,”
Als ob sie selber in des Zelters Bügel.

Doch, als er gar erzählte, daß, um eines Scherzes willen
Ein wälscher Bube fast ihn niederstach,
Da lief ein Schauern durch den Körper Elsbeths,
Ihr sonnig Angesicht erblaßte jach;
Am Arme aber fühlte er ein Drücken,
Als müßte noch ihr seine Rettung glücken.

Sie hatte nicht drauf Acht, daß, während des Erzählens,
Sich beider Schritte schon dem Dörflein nahn;
Nicht, wie die Hörigen einander winkten,
Als ihre Herrin still sie wandeln sahn.
Kaum, daß sie flüchtig grüßte auf dem Wege
Zur Hütte, ihrem Ziele überm Stege.

Hier endlich mußte Elsbeth doch ihr Körblein haben,
Mit dem sie nun im Hüttchen flugs verschwand.
Herr Kuonrad wußte nicht, sollt’ er ihr folgen;
Doch, wie er eben überlegend stand,
Sahn seine Augen jetzt ein Büblein stehen,
Das sich nicht traute ihm vorbei zu gehen.

Ein Fingerlein im Mäulchen, schlich es zagen Schrittes
Zu einem Holzblock hin, der unweit stund.
Das fragte, Kurzweil hoffend, jetzt der Junker
Nach seinem Vater; doch des Bübleins Mund
Blieb stumm, es wurde immer mehr verlegen
Und ließ sich nicht zum kleinsten Wort bewegen. —

Im Stüblein drinnen hatte unterdessen Elsbeth
Den Inhalt ihres Körbleins ausgepackt;
Sie stand nun kosend mit zwei kleinen Mädchen,
Die, bis auf ein geflicktes Hemdlein, nackt,
Weil beide schon ihr Stücklein Brod empfangen,
Zum Kuß der Guten boten Mund und Wangen.