Getraue sich die Schwester, solche Last zu bürden
Und zu dem Custosamte auch die Pflicht
Der Pflegerin zu fügen — wär’s zu schätzen.
Die Antwort drauf verlange gleich sie nicht;
Wohl aber sei ihr lieb, am nächsten Tage
Zu wissen, was die Schwester dazu sage.
Was weiter dann die Oberin noch sagen mochte,
Der Schwester ging’s verloren. Hold bethört
Vom Vorschlag mit den Mägdlein, erfaßte es
Die Ueberraschte kaum, was sie gehört
Und schuf die Aussicht, daß des Herzens Sehnen
Sich unverhofft erfülle, ihr schier Thränen.
Ihr freudiges Empfinden. jedoch rasch bemeisternd,
Gab eine Zusage die Kusterin noch nicht.
Doch zog es eilig sie zur stillen Zelle,
Um dort, mit tiefgesenktem Angesicht,
Am Betpult knieend, für des Wunschs Gelingen,
Der Himmelskönigin den Dank zu bringen.
Dann aber floß, im Stundenglas der Froherregten,
Der Sand an jenem Tage langsam nur,
Es wollt’ nicht Abend werden und der Morgen
Fand von durchwachter Nacht die Spur,
Als früh zur Ob’rin, die noch tief im Bette,
Sie wieder ging, nach fromm vollbrachter Mette.
Gewohnter Demuth voll, jedoch beredten Mundes,
Gab auf Befragen sie der „Mutter” kund,
Daß sie gewillt sei, für das Paar zu sorgen,
Der Mägdlein leiblich Wohl zu pflegen und
Mit allem Fleiße, zu Sankt Agnes’ Ehren,
Was ihr bewußt, auch ihnen gern zu lehren.
Als ob sie dies erwartet, lauschte die Aebtissin
Der Schwester Worten, in Gedanken schon
Die Schenkung schätzend, so der Mägdlein Vater
Vergaben dürfte, als verdienten Lohn
Für Sorg’ und Mühen, die dem Stifte würden,
Solch’ ungewohnte Last sich aufzubürden.
Mit ein paar Worten ihren Dank bezeigend, trug sie,
Weil wieder gichtkrank, gleich der Kust’rin auf
Statt ihrer, mit dem Ritter zu verhandeln,
Falls der und seine Mägdlein schon im Lauf
Des Tages kämen, Antwort zu verlangen,
Auch, ihn im Saal des Stiftes zu empfangen.
Voll freudigen Gehorsam’s neigte sich die Gute;
Dann aber eilte sie, ein Stübchen rein
Zu lüften und mit Hülfe einer Schwester
Zwei Betten zu beziehn mit Linnen fein,
Auf daß die Mägdlein, wenn sie kommen wollten,
In trauter Ordnung Alles finden sollten. —
* * *
Die Nonnen hatten just die Vesper abgesungen,
Als laut die Glocke klang am Klosterthor,
So daß die Schwester Pförtnerin im Eilen,
Ihr letztes Bischen Athem fast verlor
Und keuchend durch des Auslugs Gitter schaute,
Wer allso heftig sich zu klingeln traute. —