Es war der Ritter mit den Mägdlein, dem die Schwester,
Wie ihr die Kusterin heut früh befahl,
Ohn’ lang zu fragen, Einlaß nun gewährte,
Nur bittend, ihr zu folgen nach dem Saal
Und da in Gnaden etwas zu verweilen;
Sie werde flink den Herrn zu melden eilen.
Nach kurzem Gruße folgten bald die Drei der Schwester
Gedämpften Schritts durch einen düstern Flur,
Deß’ graue Wände alte Bilder zierten,
Nothdürftig zeigend noch der Farben Spur,
Und überschritten eines Saales Schwellen,
Der fern lag Refectorium und Zellen.
Es war ein öd’ Gemach, doch ließen ein paar Fenster
Die Sonne ein und Duft von frischem Grün,
Das, windgeschützt, im Klostergarten prangte,
In welchem, lärmend, etlich’ Spatzen kühn
Und übermüthig nah’ den Fenstern jagten,
Auch ab und zu bis in den Saal sich wagten.
Im Garten selber sonnte sich ein schlafend Kätzlein
Bei jungen Hühnern, die, im warmen Sand
Des Weges badend, laut sich unterhielten,
Daß ihr Gepips das Ohr der Mägdlein fand,
Die, kaum im Saal, dem Vater flink entwichen,
Auf leisen Zehen zu den Fenstern schlichen.
Es drohte zwar des Ritters Finger leis den Schlimmen,
Als ihm vom Fenster her ihr Plaudern klang,
Das, wie das silberhelle, frohe Lachen,
Bis in die Zellen zu den Nonnen drang,
Die Frommen sicher dort im Beten störte,
Weil allzulaut ihr Ohr die Frohen hörte.
Bald aber achtete er nicht mehr ihres Treibens,
Nur darauf lauschend, was die Schwester sprach,
So Auftrag hatte, ihm hier mitzutheilen,
Daß, weilen die „Frau Mutter” krank und schwach
Sich fühle, es der Kust’rin Amt gebühre,
Zu hören, was den Herrn zu ihnen führe.
Dies sagend huschte sie davon, der Schwester
Es anzumelden, daß die Mägdlein da.
Der Ritter harrte also guter Laune,
Da schon versorgt er seine Kindlein sah;
Bemerkte nicht, daß die auf flinken Sohlen,
Zum offnen Fenster sich hinaus gestohlen.
Doch, da er es bemerkte und sie schelten wollte,
Ob der verwegnen, unbefugten That,
Vernahmen seine Ohren leise Schritte.
Rasch nun sich wendend, um zu sehn wer naht’,
Ward ihm, als sollte er die Nahende erkennen,
Geliebten Namen seine Lippen nennen. —
War das ein Traumbild, oder äffte ihn der Himmel?
In ihrer Demuth, wie ein Cherub mild,
Stand vor Herrn Kuonrad, denn dies war der Ritter,
Ein ihm gar wohl bekanntes Frauenbild,
Das, trotzdem es ein Nonnenschleier deckte,
Erinnerung an sel’ge Zeiten weckte.
Wohl ebenso verwundert schien jetzt auch die Kust’rin,
Als, nahgetreten, sie die Blicke hob
Und in dem Harrenden den Mann erkannte,
Der einst in ihre Träume sich verwob,
Dem Herzen, das von ihm geliebt sich glaubte,
Auf lange hin den süßen Frieden raubte.