Jetzt athmete Herr Kuonrad freier auf und malte
Sein Unglück ihr mit wohlberedtem Mund.
’s war eigentlich mehr eine Beichte, in der
Zerknirscht ein Sünder öffnete den Grund
Schuldschwerer Seele, nimmermehr verhehlend,
Wie selbst er sich gestürzt in Leid und Elend.
Als jedoch auf die Mägdlein kam die Rede, wollte
Es nicht mehr glatt vom Munde; ’s ward ihm schwer,
Der Kleinen wegen Elsbeth nun zu bitten.
Er drehte drum die Worte hin und her,
In Sorgen drob, ob sie sich willig finde,
Von ihm zu nehmen solch’ ein Angebinde.
Sein Zagen da bemerkend, sah sie milden Blickes
In’s Antlitz ihm so traut und seelengut,
Daß bald die Scheu vor ihr verschwinden mußte
Und ihm zur Bitte endlich kam der Muth,
Sie möchte, ihn von Sorgen zu befreien,
Den Kindlein ihren Schutz und Pflege leihen.
Jetzt kam die Reihe an die Kusterin zu zagen.
Wie, wenn sie die Gewährung nun versagt’,
Weil ihr bewußt war, wem die Mägdlein eigen?
Von schweren Zweifeln sah sie sich geplagt,
Die lang nicht zur Entscheidung kommen ließen:
Soll das Gefühl, soll der Verstand beschließen?
Vermochte sie noch, der es mühsam nur gelungen,
Daß des Geliebten Bild, gleich einem Stern
Am Morgenhimmel, mälig blasser worden,
Als reine Braut zu gelten Gott dem Herrn,
Wenn in des Herzens innersten Verstecken,
Die Kindlein längst Vergang’nes wieder wecken?
In solchem Zwiespalt mit sich, kam ihr keine Ahnung
Daß längst Herrn Kuonrads Blicke unverwandt
Aus ihr, die noch in Jugendschöne prangte,
Geheftet ruhn, als wären sie gebannt,
Indessen ein Verlangen ihm erwachte,
Das bald den Muth zu kühnerm Wunsch entfachte.
Ihr Sinnen unterbrechend, hob er an zu sprechen;
Es wies sein Wort auf jene Tage hin,
Die auf Schloß Küssaburg er froh verlebte,
Eh’ ihn sein Unstern ließ von dannen ziehn
Mit dem Bewußtsein, daß sein heimlich Scheiden
Zwei Herzen zwang, auf immer sich zu meiden.
„Mir wurde Strafe und ich büßte strenge,” sprach er,
„Für das, was ich in Minneschuld verbrach;
Doch kam im Leiden mir auch oft die Frage, —
Das einzige, was meiner Hoffnung Bach
Nicht ganz versiegen ließ, im Sand verrinnen, —
Kann Liebe nicht sich Lieb’ zurück gewinnen?”
„Ein trunkner Knabe war ich, der sich selbst betrogen!
Heut’ sehet Ihr den Mann um jene Schuld
Vergebung bitten in dem festen Glauben,
Daß nicht erlöschen konnte ganz die Huld,
So, holdem Lenze gleich, dem Knaben lachte,
An Sälde reich, ihn wunschlos glücklich machte.” —
Schier wie versteinert lauschte sie des Ritters Worten;
Es deckte Leichenblässe ihr Gesicht.
Bald kam zum Stolze auch noch das Gewissen,
Was sie erinnert’ an Gelübd’ und Pflicht,
Die, schwer geschädigt schon, sich drob empören,
Daß sie nicht floh, statt solcher Red’ zu hören.