Gesenkten Hauptes und den Blick am Boden haftend,
Erflehete von Gott die Arme Kraft,
Daß nicht, im Kampfe gegen die Versuchung,
Die Seele falle in der Sünde Haft, —
Indessen doch, in seligem Berauschen,
Sie’s heimlich zwang — dem lieben Mann zu lauschen.
Sekundenlang in wonnig Träumen nun versunken,
In das gewiegt sie seiner Worte Gift,
War ihrem Sein die Wirklichkeit entschwunden.
Sie sah sich, statt im öden, stillen Stift,
Der Welt und allem Irdischen gestorben,
Auf einmal frei, von Liebe hold umworben.
Es klang so süß dem Ohre, da Herr Kuonrad sagte:
„Es stünd’ mir übel, was ich selbst verlor,
Erschmeicheln nun zu wollen, glatt zuredend,
Gleich einem alten, aberwitz’gen Thor.
Doch schwör’ ich, daß in all’ den Jahren, Tagen,
Ein einzig Bild im Herzen ich getragen!”
„Und so ist’s wahr! An dieses eine Bild zu denken,
Gab Kraft zu tragen bittern Vorwurf’s Qual,
Die Jahre durch mir an der Seele nagte,
Den Frieden scheuchte und die Ruhe stahl,
Bis ich, mein elend Dasein abzukürzen,
Schon nahe war, mich in den Tod zu stürzen!”
„„O, haltet ein, Herr!”” bebten da der Kust’rin Lippen
So leise, daß es kaum zu hören war,
Indessen schön, wie blitzende Demanten,
Auf ihren Wangen perlten Thränen klar,
Die, sammt des Busens schnellem Wogen zeugten,
Daß Schwur und Pflichten sich dem Mitleid beugten.
Dann, wohl der Schwäche bang, gedachte sie zu fliehen,
Nicht weiter anzuhören, was er sprach;
Doch dazu fehlte ihrer Kraft der Wille.
Sie fühlte, wie das Blut ihr heiß und jach
In’s Antlitz stieg, nun sie der Ohnmacht dachte,
Die in Versuchung so die Seele brachte.
Da, während noch sie mit sich selber kämpfte, zürnte,
Erwuchs Herrn Kuonrad nun der Muth erst recht,
Es ging nicht lange, hörte sie ihn fragen:
„Darf ich das Bild Euch nennen, Elsbeth? — Sprecht,
Könnt Ihr den Schwergeprüften darum hassen,
Daß ihm das Glück erscheint, und er’s will fassen?”
„Ihr zürnt dem Manne nicht, wenn er, des Ort’s vergessend,
Den sich zum Obdach frommer Sinn geweiht,
Zu Euch, als seinem guten Engel stehend,
Dem übervollen Herzen Worte leiht,
Die, leider viel zu schwach nur, Euch enthüllen,
Welch schöne Träume es zur Stunde füllen!”
„Es ist der Himmel selber, der den Weg mich führte
Zu Euch zurück! — O, Elsbeth, saget an:
Gelang’s Euch wirklich, Euer Herz zu meistern,
Daß Liebe ihm sich nimmermehr darf nahn? —
Ich kann’s nicht glauben — drum erlaub’ dem Zagen,
Dir Herz und Hand in Treuen anzutragen!” —
In Todesängsten bebend, aber hingerissen
Von seiner Worte zärtlicher Gewalt,
Hob die Gequälte da die Sonnenblicke,
Doch nicht zu ihm, deß’ Antlitz freudig strahlt, —
Nein, ’s galt dem Christusbild im güldnen Rahmen,
Zu dem die Blicke ihre Zuflucht nahmen.