Die Strahlenaugen voll zu ihm emporgerichtet
War sie bemüht ein widerspenstig Paar
Goldfarbner Löcklein unters Band zu schieben,
Das blau umzog das herrlich blonde Haar,
Und als sich ihr die Losen endlich fügen,
Lag froh ein Lächeln auf den holden Zügen.

Herr Kuonrad schaute ihr beglückt in’s schöne Antlitz,
So voller Unschuld ihm entgegensah,
Bis sie, als ahnte ihr, wie seinem Herzen
Von solchem Schauen wunderbar geschah,
Sich tief erröthend wandte um zu gehen,
und er nun auch nicht durfte bleiben stehen.

Doch da den Arm er bot, schien sie dies nicht zu achten,
So, wie beim Kommen, ging’s im Rückweg nicht;
Denn fast aus jedem Fenster nickte freundlich
Ein fröhlich lachend Kinderangesicht.
Am Wege aber harrten auch die Alten,
Ein grüßend Wort der Herrin zu erhalten.

Ein kleiner Blondkopf, frisch gewaschen und gestrählet,
Kam schon von Weitem auf sie zugerannt
Und hielt sein braunes Händchen ihr entgegen;
Der Herrin Täschlein war dem Schelm bekannt,
Nun will der Kuß allein ihm nicht recht munden,
Mit dem sie ihn für dies Mal abgefunden.

Die Schäflein, von Elsbeth aus süßem Teig gebacken,
Sie fehlten heute für die Kinderschaar;
Zum ersten Male hatt’ sie die vergessen,
Möcht’ wissen, welches wohl die Ursach’ war!
Je nun, es waren leer des Fräuleins Taschen,
Und gab für heute es drum nichts zu naschen. —

Beim letzten Hüttlein erst ward sie der Kleinen ledig,
Die Kinder zogen heim in muntrem Trab;
Nun bot von neuem seinen Arm der Junker;
Doch Elsbeth lehnte mit den Worten ab:
„Bergaufwärts möchte es beschwerlich fallen,
Wir wandeln nicht in eines Palas Hallen!”

„Auch bin ich es gewohnt die Halde zu erklettern,
Gleich flinkem Rehe, über Stock und Stein,
Manch heilsam Kräutlein suchend oder Blumen,
Wie sie im Sommer blühen hier am Rain;
Doch, weil sich dabei schwerlich läßt erzählen,
Will gerne ich mit Euch zu gehen wählen!”

Geduldig ging der Junker wieder an’s Erzählen
Und schilderte, was draußen er geschaut;
Was ihm gefallen in den fremden Ländern
Und wie er da und dort dem Glück vertraut.
Wohl sei es schön, frei durch die Welt zu reisen;
Doch würd’ ein trautes Heim er mehr noch preisen.

Gefangen von Herrn Kuonrads weltgewandter Sprache,
Schritt sie indessen ihm zur Seite hin,
Zuweilen mal im Gang sich unterbrechend,
Wenn nah’ dem Hang ein duftig Blümlein schien,
Das ihre Hand erreichen konnt’ und pflücken,
Im Gehen sich den Busen mit zu schmücken.

Nur, als sie weiter oben an der Halde waren,
An jener Stelle, wo sie erst geruht,
Da bat ihn Elsbeth leise links zu wenden:
„Der Pfad ist schattig und auch sonsten gut.”
War ja kein Unrecht weitern Weg zu wählen,
Der Junker konnte dafür mehr erzählen.