So schritten sie denn auf dem längern Pfade langsam
Zusammen aufwärts durch den grünen Wald,
Der hier den Schloßberg breit und dicht umgürtet,
Und wandelten im tiefsten Schatten bald,
Als, während Elsbeth ernst dem Junker lauschte,
Ein Windstoß heulend durch die Wipfel rauschte. —
Es hatte keins von Beiden sonderlich beachtet,
Daß längst verschwunden war des Himmels Blau
Und schwere Wolken über ihnen dräuten,
Die alles hüllten in ein düster Grau.
Jetzt erst bemerkten sie, wie Nebelschwaden
Am Hungerberge zogen, sturmbeladen.
Bald schlossen, eh’ sie es geahnt, die Wetterwolken
Rings Berg und Thal in ihren dunkeln Schooß.
Schon jagten Blitze sich; vom Strahl getroffen
Sank mancher Waldbaum jäh in’s grüne Moos;
Ein Felsblock schoß in ihrer Nähe nieder,
Deß’ Donnern hallte laut im Thale wieder.
Dann goß der Regen Fluthen; wild, wie Meereswogen,
Es rann und schwoll das nasse Element;
Ein jedes Rinnsal ward zum grimmen Strome,
Deß’ Spuren noch der späte Enkel kennt.
Fast schien’s, als ob der Himmel sich empörte
Und, was er schuf, mit Grausen nun zerstörte.
Am Stamme einer dicht belaubten Eiche lehnend,
Fand Elsbeth Schutz vor des Gewitters Macht.
Sie schlug ein Kreuz, so oft der Blitz urplötzlich
Mit greller Flamme hellte rings die Nacht;
Auch betete sie leis den Wettersegen,
Der soll sie schützen und der Sturm sich legen.
Herr Kuonrad hatte minder Glück sich schnell zu bergen,
Und blieb drum, unweit Elsbeth, wartend stehn;
Des Wetters wenig bange, schien ihm sicher,
Daß dieses bald vorüber dürfte gehn.
Er ließ sich nicht so leicht von Furcht beschleichen,
Auch wollt’ er nicht von seiner Herrin weichen.
Mit Plaudern suchte er die Aengstliche zu trösten,
Doch diese fand zum Sprechen keinen Muth.
Sie unterbrach sein scherzhaft Reden leise:
„Hört uns das Bergweiblein, so thut’s nicht gut;
Denn diese Unholdin, aus Dunst geboren,
Hat sicher das Gewitter her beschworen.”
„Zuweilen stößt sich das Gewölk am Schloßberggipfel
Und nimmt dann, minder schadend, seinen Weg
Das Kletgau aufwärts, wo es, ausgeschüttet,
Gefährdet höchstens eines Bächleins Steg.
Doch weh! wenn es zum Thal den Strich gefunden,
So ist ein Ausweg nimmer zu erkunden!”
„Es kann nicht vor- nicht rückwärts, muß sich hier entleeren
In seiner ganzen unheilvollen Macht;
Verderben bringt es oft auf viele Jahre,
Als hätte uns die Sonne nie gelacht,
Und, wo wir heute noch im Grünen gehen,
Könnt Ihr schon morgen eine Wüste sehen!” —
Sie hatte kaum geendet, zuckt ein Strahl hernieder
Aus schwarzer Wolke auf den nächsten Baum,
Sekundenlang loht auf ein Meer von Flammen,
In fahlem Scheine glimmt der ganze Raum;
Es knattert schrill ein kurzer Knall dazwischen,
Der sich im Moos verliert in leisem Zischen.