Der Sturm peitscht wüthend hin und her die Wipfel,
Und krachend fällt so manches grüne Haupt;
Wildschaurig gellt ein Pfeifen durch’s Gezweige,
Daß man der Hölle Macht entfesselt glaubt.
Des Waldes Thiere packt es voll Entsetzen,
Sie müssen blindlings in’s Verderben hetzen.

Vor Schrecken bleich, die Hände im Gebet gefaltet,
Wagt Elsbeth keinen lauten Athemzug;
Ihr Muth ist hin, sie bebt an allen Gliedern,
Seit, ihr so nah, der Blitz zu Boden schlug.
So steht sie mitten in dem grausen Rauschen
Und hofft ein Wort des Junkers zu erlauschen.

Doch der bleibt stumm. Von einem Tannenast getroffen
Liegt wund Herr Kuonrad tief im Haidekraut;
Im Bann der Ohnmacht weigern Mund und Lippen
Der fast Verzweifelnden den kleinsten Laut.
Mit ihrem Blick, bis wo er liegt zu dringen,
Kann in der Dunkelheit ihr nicht gelingen.

Noch wird ihr banger Ruf vom Sturmwind übertoset,
Sie starrt voll Aengsten in die Waldesnacht,
Den Junker und sich selbst der Mutter Gottes
Empfehlend, deren Fürsprache und Macht
Ein Leichtes, des Gewitters Wuth zu enden
Und gnädig alles Unheil abzuwenden.

Da sieh! Es legt sich doch des Sturmes brausend Toben,
Nicht mehr so nahe rollt des Donners Hall;
In Elsbeths Ohren klingt, gleich Himmelsbotschaft,
Vom Schlosse her des Wetterglöckleins Schall.
Das Dunkel weicht, das tief den Wald umwoben,
Und heller wird es in den Wipfeln oben. —

Wie schnell das Wetter kam, so ging es auch vorüber,
Geendet wähnte Elsbeth alle Noth.
Da traf ihr Blick am Boden den Gefährten,
Von seiner Stirne floß es blutigroth,
In lautem Aufschrei sank sie zu ihm nieder;
Doch nur das Echo scholl als Antwort wieder.

Gebrochnen Ast zur Seite, lag betäubt Herr Kuonrad
Im Haidekraut, das roth gefärbt sein Blut;
Nur leise hob die Brust sich auf und nieder,
Wie einem der die letzten Züge thut.
Nicht hoffend, daß sich hier noch Rettung fände,
Rang Elsbeth, Schmerz erfüllt, die zarten Hände.

Doch halt! es regten stöhnend sich des Wunden Lippen,
Mit stummer Freude hat sie es gehört,
Und nun war auch des Schmerzes Bann gebrochen,
Der Elsbeth bislang schwer den Sinn bethört;
Sie nahm ihr Tüchlein, naß und schwer vom Regen,
Es sachte auf des Junkers Stirn’ zu legen.

Nach diesem raffte sie ein Häuflein Moos zusammen,
Bestimmt zu einem Kissen für sein Haupt;
Schon ruht es schwer auf ihren weichen Händen,
Noch immer der Besinnung ganz beraubt;
Doch, nun sie’s sorglich wollte niederlegen,
Sah wieder sie die Lippen zitternd regen