Gewißheit, daß das Leben ihm noch nicht entflohen,
Gab jetzt zum Rettungswerk ihr weiter Kraft.
Mit nassem Moos rieb sie des Wunden Schläfen,
Bis fast die Hand vor Müdigkeit erschlafft,
Da lohnte denn der Himmel ihr Bemühen
Und ließ Herrn Kuonrads Lämplein neu erglühen.

Er wachte mälig auf und seine braunen Augen
Begrüßten fragend Elsbeths feuchten Blick;
Bald suchte auch ein Lächeln auf den Lippen
Ihr Trost zu spenden über sein Geschick,
Und schnell, wie dies der Jugend ja gegeben,
Mocht’ sich der Junker nun vom Fall erheben.

Noch vorher aber faßte er der Jungfrau Rechte,
Die, wie sein guter Engel, vor ihm stand,
Und preßte wortlos ein paar heiße Küsse,
Als seinen Dank, ihr auf die kleine Hand.
Verklärten Blicks sah Elsbeth zu ihm nieder
Eh’, mühsam nur, sie fand die Sprache wieder.

„Versuchet aufzustehen — vielleicht könnt Ihr gehen!
Wir sind vom Schlosse nicht mehr allzufern
Und das Gewitter ist, Gottlob! vorüber.
Die Heiligen und Euer guter Stern,
Sie haben Euch gar treu in Schutz genommen,
Sonst wäret wohl Ihr bös davon gekommen!”

Der Guten Worte waren kaum verklungen, als auch
Herr Kuonrad aufrecht stand und ihr versprach,
Zum Heimweg noch genügend Kraft zu haben;
Dann, fühlend daß ihm weiter nichts gebrach,
Wollt’ er sein Dankgefühl in Worte kleiden,
Die anzuhören Elsbeth will vermeiden.

Sie mahnte also „Kommt, es muß bald Mittag läuten!
Bis dahin müssen wir zu Hause sein;
Doch erst laßt mich die Stirne Euch verbinden,
Mein Tüchlein taugt uns, denk’ ich, dazu fein.
Frisch Wasser wird die böse Wunde kühlen
Und auch die Schmerzen minder lassen fühlen!”

Gehorsam bot der Junker gern die wunde Stirne,
Aus der das Blut noch tropfte, Elsbeth dar.
Sie hob mit leichter Hand des Tüchleins Enden
Und spülte es im nächsten Rinnsal klar,
Dann ward die Wunde gut und fest verbunden;
Ihm aber schien, er müsse gleich gesunden.

Jetzt, endlich, ging es wieder fürbas. Zwischen Fichten
Und dunkeln Tannen führte schmal der Weg.
Wie frisch geschmolzen Silber glänzten Tropfen
Vom Regen noch im buschigen Geheg.
Balsamisch dufteten des Waldes Blüthen,
Ein linder Lusthauch zog, statt Sturmes Wüthen.

Gedanken eigner Art beschäftigten die Beiden
Auf ihrem Pfad zum Schloßberghof empor;
Versuchte es Herr Kuonrad mal zu scherzen,
So schwieg nun Elsbeth, stiller als zuvor.
Ein Kräutlein keimte in dem jungen Herzen,
Ein Kräutlein, das viel Glück bringt — oder Schmerzen.

* * *