Die Höhe ward erreicht und bald darauf die Brücke,
Wo schon der Herrin harrend Frida stund;
Denn längst war ja die Mittagszeit vorüber,
Des Glückleins Schall verschlang des Sturmes Mund.
Es zuckte schalkhaft im Gesicht der Alten,
Nun mäusleinnaß sie sah die zwei Gestalten.

„Dacht ich’s doch gleich, das Wetter werde Euch erwischen!”
Hob zungenfertig jetzt die Alte an,
„Sonst wäret Ihr zu Mittag hier gewesen;
Doch da hat es am wüstesten gethan!
Wird heute nun die Herrin auch noch lachen,
Wie früher, wenn ich sprach vom Wettermachen?

„Der Pfarr’, der Neiding! hat das Wetter hergezaubert.
Er sieht’s, wenn Ihr zu Thale geht, nicht gern.
Sollt immer in der Kemenate sitzen
Und Litaneien lernen bei dem Herrn!
Wohl bin ich alt und mag nicht viel mehr taugen;
Doch blieben mir, Gottlob, noch klare Augen!”

Hier jedoch fiel ihr Elsbeth schnell in’s Wort und sagte:
„Sei lieber still und schaff’ uns Kunzen her,
Daß er den Herrn in sein Gemach begleitet;
Denn siehst Du nicht? er leidet schwer!
Vom Strahl getroffen, schlug ein Ast ihn nieder,
Ein Wunder nur, daß noch ihm heil die Glieder!”

„Du selber aber magst mir Spitzenwegrich suchen,
Des Kräutleins Saft, bekanntlich weit und breit
Im Rufe, daß er köstlich gegen Wunden,
Soll zeigen, ob zur Heilung er gedeiht!
Nun eile Dich, den Kunz herbei zu finden,
Er muß dem Herrn die Stirne frisch verbinden!”

Herr Kuonrad lehnte derweil müde am Geländer.
Vom Blutverluste wohl ein wenig matt,
War nicht ihm unlieb, daß auf Fridas Rufen
Sich Kunze gar eilig eingefunden hatt’.
Der staunte bas, den Herrn allso zu sehen,
Doch dieser hieß ihn kurz mit ihm zu gehen. —

Mit warmem Händedruck und einem langen Blicke
In Elsbeths licht erglänzend Augenpaar
Schied, im Geleit des Knappen, nun der Junker.
Sie sah ihm nach, bis er verschwunden war;
Ein glücklich Lächeln schwebt auf ihrem Munde —
Dein Dichter, Elsbeth, weiß aus welchem Grunde!

Drittes Kapitel.