Viel schneller, als der Junker dies erwartet hatte,
That Kräutlein Spitzenwegrich seine Pflicht;
Denn kaum war eine Woche hingegangen,
Trat er geheilt vor Elsbeths Angesicht
Und dankte ihr für alle Müh’ und Sorgen,
Die sie um ihn gehabt an jenem Morgen.

Wenn damals er im Scherz sie sich zur Herrin wählte,
Der ritterlich zu dienen ihm ein Spiel,
So nahm er’s nun mit jedem Tage ernster
Und ist kein Wunsch der Holden ihm zu viel.
Doch, wie es gleich von Anfang ihm geschienen,
War unter ihrem Scepter leicht zu dienen. —

Mit flinken Händen half Herr Kuonrad jeden Morgen
Der Fleißigen ihr Linnen spannen, reicht’,
So oft es nöthig, drauf den Wassereimer,
Um jenes feucht zu spritzen, daß es bleicht
Im Sonnenschein und Elsbeth sich das Linnen,
Als schlohweiß Zeug, bald wieder mocht’ gewinnen.

Mit diesem fertig, ging es in den weiten Zwingolf,
An dessen sonnenreichem Mauerrand
Die Liebliche ein kunstlos Gärtlein hatte,
Drin’, neben Ilgen, manche Rose stand
Und Krautwerk für die Küche und die Kranken,
Frisch duftenden Salbei bei Bohnenranken.

Hier gab es stets zu thun. Der Junker werkte fleißig;
Er zeigte ihr, wie leicht am wilden Strauch
Die Rosen künstlich sich veredeln lassen.
Gern lernte Elsbeth den ihr fremden Brauch
Und harrte voller Sehnsucht schon der Blüthen,
Die zu erzielen beide sich bemühten.

Vom Garten mußte Elsbeth in des Schlosses Küche,
Wo Frida herrschte, bis die Herrin da;
Sie war gewohnt, am Herde mit zu helfen,
Da gerne selbst sie nach dem Rechten sah.
Das Essen mußte pünktlich fertig stehen,
Sonst war’s um Vaters gute Laun’ geschehen.

Dann, nach dem Mittagessen, pflog, nach guter Sitte,
Des Hauses Ingesind ein Stündlein Ruh’
Die tiefe Stille nutzend, brachte Elsbeth
Gewöhnlich diese Zeit mit Lernen zu;
Der Kaplan, Benno, nahm die Pflichten strenge
Und trieb mit Fragen oftmals sie in’s Enge.

Sonst war die Zeit der Schule ihr gar lieb gewesen
Und fand der Kaplan nie zu Klagen Grund;
Doch seit des Junkers Ankunft kam dies anders,
Sie lauschte minder ernst des Lehrers Mund
Und unterbrach wohl selbst sein Wort durch Fragen,
Die fern dem Texte des Erklärers lagen. —

Einst, eines Abends, plagte sie sich auch mit Lernen,
Indess’ die Augen nach der Sonne sahn,
Ob deren Strahl sich nicht den Butzenscheiben
Im Bogenfenster endlich möchte nahn;
Es schien ihr fast, daß jene, pflichtvergessen,
Nicht so wie sonst die Tagesbahn durchmessen.

Doch, da einmal die Zeit für Alle vorwärts schreitet,
Gleichviel ob einer hoffet oder bangt;
Zu schnell dem Alter, das nichts mehr zu wollen,
Der Jugend langsam, die noch viel verlangt,
So ließ sie heute auch die Sonne sinken,
Die goldnen Strahlen durch die Scheiben blinken.