Schon, weil es galt des Bäsleins Eltern zu gewinnen,
Hatt’ sich der Junker an den Ohm gewandt,
Deß’ Wort als Bischof mehr als seins mocht’ gelten,
Daß bald ihm werde der Erkornen Hand.
Da kam der Span mit Sigismund dazwischen,
Vor dessen Zorn Herr Kuonrad mußt’ entwischen.
Nun stand der Schönen Bild ihm plötzlich vor der Seele:
Die Stirn’ umwallt von dunkler Locken Pracht,
Die herrliche Gestalt von üppigstolzen Formen,
Mit Augen, schwärzer als die tiefste Nacht;
Die jedesmal den Sinn ihm neu bestrickten,
Wenn voller Gluthen sie verlangend blickten.
Doch bald verschwanden auch des schönen Bildes Farben,
Es trat an dessen Platz ein ander Bild:
Nicht stolz und üppig, wie das erste zeigte,
Nein, lieblich, hold und fein und mild;
Gleich Sonnenstrahlen, die am Frühlingsmorgen
Im Thau hin küssen bangen Winters Sorgen.
In mildem Strahle glänzten Elsbeths fromme Augen,
Er konnte tief in ihre Seele schau’n,
Die klar und rein sich darin wiederspiegelt’
Und hin sich gab in kindlichem Vertrau’n.
Die Huldgestalt in Minne zu umfangen,
War seines Herzens stürmisches Verlangen.
So stand er, sich versenkend in die lieben Züge,
Im Wesen ihm und in Gedanken nah;
Denn jeden Tag mußt’ er auf’s Neu’ bewundern,
Was hier zum ersten Mal sein Auge sah:
In Züchten stiller Minne treu ergeben
Und milde waltend, deutsches Frauenleben.
Mit andern Augen schaute er das reiche Bäslein,
So stolz, weil es entstammte wälschem Blut;
Deß’ Blicke so vernichtend blitzen konnten,
Und doch verriethen tief verborgne Gluth!
Das tausendmal am gleichen Sommertage
Die Laune wechselte zu seiner Plage.
Nicht mühte er sich mehr, die beiden zu vergleichen,
Er mehrte damit sich nur Schmerz und Qual.
Der Oheim mußte längst geworben haben,
Und blieb denn überhaupt noch eine Wahl?
Herr Kuonrad sagte sich, zwar mit Erröthen,
Des Bäsleins Reichthum sei ihm sehr von Nöthen.
Nun mit sich selber zürnend, stand er lange sinnend,
Bis scharfe Nachtluft ihm die Stirn’ gekühlt.
Von heute wollt’ er Elsbeth ferne bleiben,
Daß nicht sie ahne, was er für sie fühlt;
Denn nimmermehr wär’ Ruhe ihm beschieden,
Wenn er zerstörte ihres Herzens Frieden.
Mit solchem Vorsatz ging der Junker zu der Treppe,
Die er, im Dunkel tastend, niederstieg,
Um unten noch beim Vogte vorzusprechen,
Mit ihm zu plaudern von dem letzten Krieg.
Er traf den Kaplan da, nebst Wein und Karten;
Die Herren mochten seiner lang schon warten. —
Im Zwingolf unten, nun das Abendbrot gegessen,
Verkürzten sich die Knechte auf der Bank
Die Zeit vorm Schlafengehn mit Scherz und Plaudern;
Sie sagten Kunz und Hansli vielen Dank,
Als diese noch, auf allgemein Verlangen,
Ein paar „Gesätzlein,” die hier folgen, sangen.