Noch brachte Freiherr Udo ein gelungen Sprüchlein
Dem grünen Wald und wackerem Gejaid,
Daß froh die Herren nach dem Glase griffen,
Es leerend ihm zu ehrlichem Bescheid;
Dann aber ward das Waidwerk selbst besprochen,
Von manchem Scherz des Schloßvogts unterbrochen.
Er und der alte Wasserstelz, sie überboten
Einander oft in spaßigem Latein,
Drin’ wohl bewandert Sankt Huberti Jünger;
Wir andern fabeln lange nicht so — fein.
Bald wurde manches Stücklein aufgetischet
Das, wenn nicht wahr, doch den Humor erfrischet. —
Herr Kuonrad und Herr Udo plauderten indessen,
Wie dies bei jungen Herren immer geht,
Viel lieber mit den Fräulein, die wie Blumen
Drein schauten, um die lind ein Zephyr weht;
Nur ab und zu sah man sie einmal nippen,
Zu netzen sich die blühend rothen Lippen.
In üppig-voller Reife prangte Adelgunde
Und ihrer Schönheit sich gar wohl bewußt;
Die feinen Lippen zeigten Perlenreihen,
In schöner Rundung wölbte sich die Brust,
Die Sammetwangen sah man rosig blühen,
Und aus den Augen dunkle Gluten sprühen.
Des Schlosses Herrin dafür, schlank und fein gestaltet,
Glich einer Blume, der im Kelch der Thau
Noch schimmert; unter langen, seidnen Wimpern
Erglänzte herrlich ihrer Augen Blau.
Zum edeln Antlitz mit den Engelszügen
Sah man der Jugend Liebreiz hold sich fügen. —
Mit leisen Zeichen, wie sie nur der Liebe eigen, —
Ein Blick, ein Händedruck, ein halbes Wort, —
Wußt bald Herr Kuonrad Elsbeth viel zu sagen
Und hielt im Athem sie in Einem fort.
Ging auch die Rede oft an Adelgunden,
Geschah dies bloß, um Anstand zu bekunden.
Zwar rühmte lebhaft er des Fräuleins tapfer Reiten;
Wie sie beim Hetzen ihm zur Seite blieb,
Wenn gleich die Pferde wie im Sturm hinflogen,
Und das Gezweig scharf auf die Reiter hieb;
Doch Adelgunde lauschte kaum den Worten,
Ihr war’s, als ob die Blicke sich umflorten.
Sie hatte mehr und schöneres gehofft zu hören,
Als solches Lob; das hätt’ sie ihm geschenkt,
Der ihr heut’ selten mal ein Wörtlein gönnte,
Auf was sie immer auch die Rede lenkt’.
Es sollte ihr nicht weh thun tief im Herzen,
Nun sie ihn sah, mit diesem Kinde scherzen?
Als ob auf einmal sie nichts andres interessirte,
Als was Herr Heinz und auch ihr Vater sprach,
So rückte Adelgunde zu den Herren;
Doch hielt sie dabei Aug’ und Ohren wach,
Um Elsbeth und den Junker zu belauschen,
Wenn sie zur Kurzweil Wort und Blicke tauschen. —
Herr Heinz sprach aber von der Thalgemeinden Offnung,
Nach deren Formel zweimal jedes Jahr
Geurtelt ward von Rheinheims „Kellerrichter;”
„Es lauten diese freilich ganz und gar
Nach uraltheimisch gängen Rechtssprüchwörtern
Und Rechtsgebräuchen, wie an wenig Oertern.”