Drauf aber, während Kunz die Gläser wieder füllte,
Fuhr desto frischer er zu reden fort:
„Als ich den Juden frage, ob er Zeugen habe,
Da vor Gericht nicht gilt Hebräer Wort,
Schwört er, daß es der Dorfvogt wohl gesehen,
Von wem und wie die Unbill ihm geschehen.”
„Wie jener dieses hört, zieht er die Stirn in Falten
Und spricht: „„Gesehen hab ich nichts; ich fand,
Durch sein erbärmlich Flennen hingezogen,
Den Juden ganz allein am Wegesrand.
Doch, wer den Rücken ihm so blau geschlagen,
Gestrenger Herr! vermag ich nicht zu sagen!””
„Jetzt heult der Jud’ erst recht und lamentirt so gräulich,
Daß es noch heut’ in meinen Ohren gellt;
In seinem Aerger schalt er derb den Bauern,
Der, ihm zu leide, sich so blind gestellt,
Und dieser, dem das Schimpfen arg mißfallen,
Zwingt kaum noch nieder seines Zornes Wallen.”
„Ergötzend mich an ihrem Für und Wider, hörte
Ich ihnen ab, bis die dort zu uns kam.”
— Er wies aus Elsbeth hin, die eben Mechtild
’ne Schüssel Kräpflein aus den Händen nahm
Und artig sie dem Fräulein präsentirte,
Das mit dem süßen Backwerk sich servirte. —
„Natürlich ist’s nun aus; ich heiße Beide schweigen
Und sag’ dem Juden, daß er Jemand nennt,
Der ihm bezeugte, wer ihn so gebläuet,
Weil sich der Dorfvogt ja zu nichts bekennt;
Da er’s nicht konnte, wies ich ihm die Thüre
Und hieß ihn gehn, wohin sein Weg ihn führe.”
„Zufrieden seh’ ich, wie sie miteinander gehen;
Da, — sie sind kaum noch recht vor dem Gemach,
War’s uns, als ob wir kräftig klatschen hörten,
Begleitet von des Juden Weh und Ach!
Und wie ich Else folge, nachzusehen,
Thät der, von neuem heulend, draußen stehen.”
„Die Backen haltend, schrie und klagte er in Thränen,
Daß ihm der Dorfvogt harte Streiche gab.
Der Jude dauert’ uns, ich trat zum Fenster
Und ruf’ dem Bauer nach, der, schon im Trab,
Nicht allzu ferne mehr des Schlosses Brücke,
Nach kurzem Zögern wieder kam zurücke.”
„Ich fuhr ihn an, wie er den Juden schlagen durfte,
Statt daß in Frieden er ging mit ihm fort?
Da schnitt der Schalk mir ein Gesicht und meinte,
Mich schlagend nun mit meinem eignen Wort:
„„Der Jud’ soll Zeugen schaffen, die es sahen,
Daß er von mir die Streiche hab’ empfahen!””
„Schier überrascht, will eben ich’s dem Schelm verweisen,
Als sich des Juden Maul schon grob erfrecht
Und schreit, wenn ich nicht richte, wüßt’ er einen
In Kostnitz oben, der spräch’ sicher Recht.
Nun war’s genug! — Ich konnt’ mich kaum noch halten,
Nicht selber meiner Knechte Amt zu walten!”
„Brauchst Dich nicht lang zu mühen! sage ich zum Juden,
„Wir haben ja hier oben auch ein Loch,
Drin’ Du Dich mit dem Bauer magst vergleichen;
Thut’s dieses nicht, bleibt Dir der Bischof noch!
Ich hoffe jedoch, werdet Euch vertragen,
Eh’ dort die Ratten Euch am Felle nagen!”