Und kommt es einmal, daß du jene traurig schautest,
Mit denen du dich sonst so gern vergnügt,
Bedenke: schweres Leid vergeht am schnellsten,
Wenn andrer Mitgefühl sich dazu fügt.
Versäume nie, mit Frohen dich zu einen,
Doch hab’ auch Thränen, siehst das Leid du weinen. — —

* * *

In leicht Gewand gehüllt, und in der Hand die Laute,
Trat, grüßend, bald der Spielmann in’s Gemach. —
„He, Vöglein federleicht! woher des Weges?
Welch Lüftlein blies Dich unter unser Dach?...”
Rief, ihm zum Gruße, laut Herr Heinz entgegen,
Doch war der Fremde darob nicht verlegen.

Ein kleiner Schalk nur blitzte aus den grauen Augen,
Nun er, sich neigend, zu dem Vogte sprach:
„Weiß nicht, in welchem Busch mein Nest gewesen,
Ich fragte auch nie sonderlich darnach.
Daß ich zur Welt kam, müßt Ihr mir verzeihen,
Kann ich auch nicht die Alten benedeien!”

„So es den Herrn gefällig, mag ich wohl erzählen,
Von wo ich komm’, doch nicht, wohin ich will;
Da könnt’ der Wind Euch besser Antwort geben!”
Und nun der Spielmann sah, daß alles still
Bis auf den Vogt, der, ihn ermunternd, nickte,
Er zum Erzählen drauf sich schnell anschickte. —

„Zum Nest hinaus geworfen, als ich kaum konnt’ flattern,
Sucht’ ich die Atzung auf gar manche Art.
Wie andern Vöglein hat auch mir der Himmel
In seiner Weisheit ’s Hungern nicht erspart,
Und mühsam erst ging es von Ast zu Aste,
Wie es dem armen Piepmatz grade paßte.”

„Doch, als die Flügelein mir mälig kräftig wurden,
That ich in’s Land hinaus den ersten Flug;
Auf schwankem Zweiglein hab’ ich oft gesessen,
Mich nachher wundernd, wie nur dies mich trug.
Am Tag ging’s lustig fort von Baum zu Baume,
Des Abends wiegt ich mich in heitrem Traume.”

„Beim ersten Morgengraun stieg ich in’s Blau der Lüfte,
Es grüßte froh die Sonne mein Gesang.
Das Leben ist doch schön! pfiff ich mit andern,
Auf Treu und Glauben, ganze Tage lang.
Da nahm ein jähes End’ das Jubilirens,
Der Winter kam, jung Vöglein mußte frieren.”

„Von ungefähr kam ich zu einer Klosterpforten,
Und lud mich da für Winter lang zu Gast.
Gern hießen mich die frommen Herrn willkommen,
Da mein Diskant zu ihrem Chore paßt’;
Wo es an hellen Stimmen schien zu fehlen,
So viel auch feucht sie hielten Mund und Kehlen.”

„Sie gingen denn auch wacker dran, mir einzuüben,
Was ihnen däuchte Noth zur Singekunst;
Ich aber lernte gern und ließ mich meistern,
Empfänglich für der Lehrer Wort und Gunst.
Bald klang, wie Nachtigallensang im Rohre,
Mein Stimmlein täglich mit im Orgelchore.”