„Da, als die Lüfte wieder lind und milde wehten,
Vom Hang in tausend Bächlein schmolz der Schnee,
Die ersten Knospen aus den Stauden brachen,
Ward mir im Herzen, ich weiß nicht, wie weh.
Des Klosters Futter wollt’ nicht mehr behagen,
Zwar hatt’ ich Ursach’ nicht, mich zu beklagen.”

„Doch eine Sehnsucht, übermächtig, unbesieglich,
Riß mich dahin; ich konnt’ der Wolken Zug
Ob meinen Häupten stundenlang betrachten
Und sie beneiden um den freien Flug,
Mit welchem sie am blauen Himmelsbogen,
Gleich stolzen Schiffen, in die Ferne zogen.”

„Noch hielt ich tapfer aus, bis am Sankt Seppentage,
Der heil’ge Joseph ist mein Schutzpatron,
Mein Sehnen ich nicht länger mochte zwingen
Und heimlich aus dem Käfig flog davon.
Im Freien konnt’ ich nun die Glieder dehnen,
Doch stillte das mir nicht des Herzens Sehnen.”

„Willkomm! Willkomm! rief es aus jedem Busch entgegen.
Willkommen! Sag’, wo bliebst Du denn so lang?
So scholl es fröhlich aus viel hundert Kehlen
Und jubelnd stimmt’ ich ein in ihren Sang;
Der Dompfaff sang die Mess’ am Morgen frühe,
Der Chor ertönte hell von Bühl und Flühe.”

„In voller Lenzespracht stand ringsum Wald und Anger,
Die Bächlein murmelten, es blitzt’ der See;
Ein jeder Strauch trug schön ein Festgewändlein,
Aus zartgewebtem, duft’gem Blüthenschnee,
Und lustig Lebens gab’s auf allen Zweigen!
Dem Bürschlein hing der Himmel voller Geigen.”

Land auf, Land ab, durch grüne Thäler, über Höhen
Trug mich der Füße unermüdlich Paar;
Allüberall empfing mich lauter Jubel
Von der Gesellen leicht besohlter Schaar.
Vergessen war das Hungern, war das Frieren,
Ob eitel Kurzweil, Scherz und musiciren.”

„Das Leben ist so schön! ward wieder flott gepfiffen,
Ich lud mich froh bei Fröhlichen zu Gast;
Doch wenn ich müde Abends kam zum Lager,
Hielt neue Sehnsucht mir das Herz erfaßt;
Schlief dann ich ein, sah ich, in süßen Träumen,
Ein traulich Hüttlein zwischen Blüthenbäumen.”

„Am Morgen aber wurde wieder frisch gesungen,
Und ging dies so durch manche Woche hin;
Ein hübsch Gewändlein war mir eigen worden,
Auf das ich lange stolz gewesen bin,
Als ich, es war an einem Sonntag eben,
Der tiefen Sehnsucht Deutung sollt’ erleben.”

„Mit viel Gesellen hatt’ auch ich den Zug genommen
Durch’s Baierland in’s schöne Oesterreich.
Der Atzung gab’s genug auf solcher Reise
Und wo wir ruhten, blieb uns herzlich gleich;
Ob wir Land auf, Land ab den Weg genommen,
Man hieß uns überall gleich froh Willkommen!”

„Da kamen wir, noch früh am Tage, in ein Städtlein,
Wo man uns Herberg wies im „güldnen Kranz;”
Der Zeche halber sang ich ein paar Weisen,
Drauf fiedelten die andern einen Tanz,
Und, eh’ wir uns recht umsahn, war die Stuben
Euch dicht gedrängt voll Mädel und voll Buben.”