„Nun gab es lustig Streiten bei dem jungen Volke,
Die einen wollten Sang, die andern Tanz;
Ein hell Gesichtlein drängte sich mir nahe,
Ich sehe noch der Sammetaugen Glanz, —
Und bat mich mit kirschrothem Mündlein leise,
Ihm doch zu singen eine schöne Weise.”

„Gar gern gefällig, hieß ich da die andern schweigen
Und sang ein Lied, wie ich noch keines sang;
Vom Herzen lösten sich die Melodeien,
Gleich Perlen klar, in hellem, frischem Klang,
Denn meiner Sehnsucht Stern war aufgegangen;
Zwei Thränlein blinkten auf des Mägdleins Wangen.”

„Die Thränen mußt du trocknen! sprach ich zu mir selber
Und änderte die Weise und das Lied;
In süßen Tönen fing ich an zu locken,
Wie es die Vöglein draußen thun im Ried,
Den Blick konnt’ ich dabei nicht von ihr wenden,
Da ihre dunklen Augen schier mich blenden.”

„Und sieh! Kaum war ich mit dem letzten Lied zu Ende,
War auch der Zähren letzte Spur davon;
Ein helles Roth zog auf die zarten Wangen,
Gleich Rosen, aufgeblüht zu meinem Lohn.
Des Mägdleins Beifall wollt’ ich mir erringen
Und hätt’ ich müssen Tag und Nacht durch singen.”

„Es galten denn auch ihm nur meine schönsten Weisen;
Gar wenig scheerte mich der andern Lob.
Ein süß Verlangen ließ mein Herz erbeben,
So oft den schönen Blick sie zu mir hob,
Und ehe noch mein letztes Lied verklungen,
Hatt’ ich mich tief der Maid in’s Herz gesungen.”

„Wie nun die Fiedler einen muntern Hopser spielten
Und sich die andern drehn in frohem Muth,
Naht schüchtern mir die Holde sich bedankend,
Ihr lieblich Antlitz deckte tiefe Gluth;
Mir aber ward ganz wunderbar zu Sinne,
Das stille Sehnen hieß auf einmal Minne.”

„Der Geigen hell Erklingen zog auch uns zum Tanze,
Die Feine wiegte sich in meinem Arm;
Vor Freuden jauchzend schwang ich mich im Reigen,
Ihr Köpfchen lag an meinem Herzen warm.
Was mir die tiefen, dunkeln Blicke sagen,
Errathen hab’ ich’s, ohne viel zu fragen!”

„Da ward es mälig spät, die Fiedeln mußten schweigen,
Und Alt und Jung zog in die Nacht hinaus.
Ich folgte heimlich mit der Maid am Arme,
Durch Gassen kreuz und quer zu ihrem Haus;
Was wir uns sagten, möget selbst Ihr denken
Und darum diesen Theil mir gnädig schenken!”

„Das Paternoster, freilich, wurde nicht gesprochen!
Als spät und doch zu früh das Scheiden kam,
Hing sie in heißem Kuß an meinen Lippen
Und war in Thränen, da sie Abschied nahm;
Dann huschte sie in’s Haus, durch einen Garten.
Ich wußt’ nicht, sollt’ ich gehen oder warten.”

„Doch ging es eine Weile, eh’ ich mich konnt’ trennen
Vom Ort, der Zeuge war von meinem Glück.
Ein nahend Wetter hieß mich endlich gehen,
Und langsam suchte ich den Weg zurück,
Verfehlte aber bald die rechte Gasse;
Denn es war dunkel, wie in einem Fasse.”